Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Wenn fußballerische Leistungen zur Nebensache werden

Am 25. und 26. Januar 2021, war auf der offiziellen TwitterSeite des FC Schalke 04 ein kurzes aber bemerkenswertes Wortgefecht zwischen diesem und einem Bundestagsabgeordneten zu beobachten.

„Steht Auf“ lautet die Kampagne, mit der sich der FC Schalke 04 in einem circa zweiminütigen Video mit Spielern, Trainern und Fans gegen Rassismus, Ausgrenzung, Diskriminierung und für
mehr Toleranz aussprach. Nun mag es für den ein oder anderen
vielleicht komisch wirken, dass sich ein Fußballclub so klar zu diesen Themen positionieren muss, doch leider sind Dinge wie Rassismus und Diskriminierung auch in der Bundesliga keine Nebensache mehr. So wurde erst vor kurzem ein Spieler eines weiteren Bundesligaclubs für 2 Spiele suspendiert, da er seinen Gegenspieler im Eifer eines Wortgefechts aufgrund seiner Herkunft rassistisch beleidigt haben soll, und auch der FC Schalke selbst leistete sich in den letzten Jahren in Form von Äußerungen des ExSportvorstand Clemens Tönnies und einigen Fans mehrere Skandale.
Die Reaktionen auf diese Kampagne blieben natürlich nicht lange aus und waren durchaus gemischt. Neben Lob, Widerspruch und Unterstützung stach jedoch ein Kommentar besonders heraus. Hierbei handelte es sich um die Antwort des stellvertretenden Bundessprechers der „Alternative für Deutschland“ (AfD) Stephan Brandner. Mit den Worten „Schalke setzt ein Zeichen: Nicht nur in der Tabelle ;)“, spielte Brandner offensichtlich auf die derzeitige Tabellensituation der Schalker an und machte sich so über
die Kampagne lustig. Denn der sportliche Zustand des Vereins ist zurzeit mehr als kritisch. Mit nur 7 Punkten nach 19. Spieltagen und 30 Spielen am Stück ohne einen Sieg bildet der Fußballverein aus Gelsenkirchen abgeschlagen das Schlusslicht der Liga. Diese Situation verband Brandner nun also mit der StehtAuf-Kampagne und fing sich sofort eine Gegenreaktion der Schalker ein. In einem erneuten Post, twitterte der Fußballclub: „Herr Brandner, sich über Werte wie Vielfalt und Toleranz lustig zu machen, ist für einen gewählten Volksvertreter arm. Unabhängig von unserer sportlichen Situation: Schalke wird nie auf ihr Niveau absteigen.“ und gab somit ein klares Statement ab. Weitere Vereine, wie beispielsweise Borussia Dortmund und Werder Bremen, schlossen sich der Antwort an. Eine erneute Reaktion Brandners blieb daraufhin aus. Was zeigt uns diese Situation? Sie zeigt uns, wie nebensächlich und unwichtig sportliche Leistungen, Punktestände und Vereinsrivalitäten werden, wenn es darum geht, für die wichtigen und richtigen Themen in unserer Gesellschaft gerade zu stehen. Egal ob Dortmunder, Schalker, Bremer, Hamburger oder Münchner, wenn es darum geht ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzten, ziehen alle an demselben Strang. Ironie und Sarkasmus haben in diesem Bereich deshalb eher weniger zu suchen, aber das sollte Herr Brandner mittlerweile auch gemerkt haben.

Mathis Glöckner