Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Schnelltests – der Weg zu mehr Normalität?

Spätestens seit der Ankündigung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, an dem 1. März kostenlose Schnelltests für alle anzubieten, werden diese häufig als wichtigen Hoffnungsträger raus aus der Pandemie gesehen. Doch wie funktionieren die Tests überhaupt, was ist in den letzten Wochen in diesem Bereich passiert, wie genau sollen die Tests ablaufen und am Wichtigsten: Welchen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Pandemie können sie beitragen?

Wie funktionieren sie?

Corona-Tests gibt es in verschiedenen Ausführungen, die alle auf andere Weisen Aufschlüsse auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 leisten können. Wenn wir jetzt von Testungen reden, so meinen wir üblicherweise PCR-Tests, wie sie normalerweise bei Verdachtsfällen durchgeführt werden. Die arbeiten im Grundsatz so, dass etwas Probenmaterial aus dem Rachenbereich abgenommen wird und anschließend versucht wird, das Erbgut des möglicherweise vorhandenen Virus zu isolieren und dieses bis zu einer detektierbaren Menge zu vervielfachen (in einer Polymerase-Kettenreaktion, daher der Name). Das muss zwangsläufig in einem Labor geschehen und dauert selbst dort einige Stunden. Durch Transportverzögerungen usw. ergibt sich eine Gesamtdauer von ca. 1-2 Tagen bis zum Ergebnis – eine vergleichsweise lange Zeit der Unsicherheit.

Die etwas neueren Schnelltests, eigentlich Antigen-Tests genannt, sind in ihrem Ablauf simpler gestaltet. So bedarf es zu ihrer Durchführung kein Labor, denn die Tests arbeiten mit dem Virus an sich und das Erbgut muss nicht aufwändig extrahiert werden. Wie ihr Name schon vermuten lässt, detektieren solche Tests bestimmte Antigene aus einem Rachenabstrich, die für SARS-CoV-2 charakteristisch sind. Antigene sind Strukturen auf der Oberfläche von Krankheitserregern, die üblicherweise vom Immunsystem erkannt werden können, woraufhin passende Antikörper gebildet werden. Antikörper können auf verschiedene Arten helfen, eine Abwehr der Erreger zu bewirken. Ein solcher Test enthält also Antikörper, die an die möglicherweise vorhandenen Antigene “andocken” und eine Reaktion im Test in Gang setzen, die zu einem sichtbaren Ergebnis führt (ähnlich wie bei z.B. einem Schwangerschaftstest). Oft dauert die Zeitspanne von Probenentnahme bis zum Ergebnis nur eine 15-30 Minuten.

Es gibt aber gute Gründe dafür, dass bisher zum Großteil PCR-Tests eingesetzt wurden. Sie sind nachweislich äußerst empfindlich, was bedeutet, dass ein Mensch, der tatsächlich das Virus im Körper trägt, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch positiv getestet wird (wobei auch solche mit bereits fast verstrichener/gerade beginnender Infektion oder solche, die in Wirklichkeit gar nicht infiziert sind, durchaus manchmal positiv getestet werden, sog. “false positives”). Im Vergleich dazu wirken Antigentests etwas ungenauer, in den meisten Fällen werden bei fachgerechter Anwendung aber trotzdem mehr als 90% der Fälle detektiert. Es lässt sich insgesamt sagen, dass beide Tests mit einer zufriedenstellenden Genauigkeit die Fälle erkennen, die circa zum Zeitpunkt des Tests andere infizieren können (auf dem Höhepunkt der Viruslast also). Bei Antigentests wurde zumindest in Deutschland bislang nach einem positiven Ergebnis eine Nachprüfung via PCR-Test gefordert, um dem höheren Anteil an false positives entgegenzuwirken.

Geradezu essenziell ist aber bei beiden Tests eine fachgerechte Anwendung: Wird die Probe aus dem Rachen nicht richtig entnommen, kann es vorkommen, dass einfach nicht genug abgestrichen wurde und die Tests, insbesondere der unempfindlichere Antigentest, nicht ansprechen.

Was bisher passiert ist…

Sowohl PCR- aus auch Antigentests waren bereits bekannte und bewährte Verfahren, sodass ihre theoretische Entwicklung nicht lange dauerte. Während jedoch PCR-Tests bedingt durch ihre Funktionsweise von Anfang an gute Ergebnisse lieferten, waren erste Antigentests nicht besonders zuverlässig; auch Produktionskapazitäten waren in vielen Fällen nicht gegeben. Ab Oktober letzten Jahres wurden solche Tests zum ersten Mal in größerer Anzahl eingesetzt, und zwar in Krankenhäusern und Pflegeheimen sowohl bei Bewohner*innen, Patient*innen und Personal als auch bei Besucher*innen. Im November wurde festgelegt, dass nach einem negativen Schnelltest-Ergebnis die Quarantäne bereits nach 10 statt 14 Tagen verlassen werden kann. Zudem wurden Regelungen zur Arzneimittelabgabe gelockert, sodass dafür geeignete Schnelltests prinzipiell für jede*n erwerbbar und selbst anwendbar werden und auch eine Abgabe an Schulen und Kitas erfolgen kann.

Nach einem harten Corona-Winter kam dann Mitte Februar die Ankündigung Jens Spahns, ab März flächendeckend kostenlose Antigen-Schnelltests für alle Bürger*innen anzubieten – zunächst erstmal von qualifiziertem Personal in z. B. Apotheken durchgeführt. Auch die lang herbeigesehnten Selbsttests sollen innerhalb der nächsten Wochen eine Zulassung erhalten. Kurz vor dem Monatswechsel kippte jedoch das Bundeskabinett seine Entscheidungen: Selbst Angela Merkel bemerkte kritisch, dass für ein solch kurzfristiges Vorhaben zu wenig konkret geplant wurde und aus Kreisen der Regierung werden Stimmen laut, die die Einschätzungen bezüglich der geplanten Mengen unrealistisch seien. Ein neues, festes Datum sowie eine konkrete Strategie wurden danach nicht mehr offiziell angekündigt.

Momentane Planungen – was ist möglich?

Aus der gerade im Moment stattfindenden Ministerpräsident*innenkonferenz (MPK) mit Kanzlerin Merkel sind zwar noch keine konkreten Beschlüsse bekannt, der Einsatz von Schnelltests soll aber auf jeden Fall mögliche Öffnungsschritte flankieren. Denn klar ist: Lange halten der Einzelhandel, der Freizeitsport, die Kulturbranche, die Bildung und vor allem die Menschen selber Einschränkungen im jetzigen Maße wohl nicht mehr aus.

Die Rede ist momentan von einem sicheren kostenlosen Schnelltest pro Person und Woche (auch und vor allem für welche, die keine Symptome haben) sowie einer Begleitung der Schulöffnungen mit einem Angebot an mindestens einem Schnelltest für alle in Präsenz Beteiligten. Genauere Informationen gibt es noch nicht.

Vorschläge, weitere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie zum Beispiel den Einzelhandel unter Auflagen für solche mit negativem Schnelltest zu öffnen, scheinen noch nicht aufgegriffen worden zu sein, sind aber eine bisweilen angesprochene Option und vor allem Perspektive.

Welchen Beitrag können sie leisten? Ein Ausblick.

Richtig angewendet könnten Schnelltests vor allem in der Zeit zwischen leichten Lockerungen und einer weitestgehenden Immunisierung der Bevölkerung durch Impfungen helfen, mehr Freiheiten für viele und gleichzeitig besseren Infektionsschutz sicherzustellen. Nicht nur könnte man zum Beispiel mit einem Gefühl von mehr Sicherheit z. B. zur Schule gehen, auch viele asymptomatische Fälle ohne Verdacht könnten festgestellt werden, die vorher vielleicht aufgrund vielerorts unzuverlässiger Infektionskettennachverfolgung nicht erst getestet worden wären. Vorstellbar wäre also, dass wir generell ein genaueres Bild der Pandemie bekommen und gezielter auf sie reagieren könnten, da schlicht eine deutlich größere Menge an Menschen in gleicher Zeit getestet würde. Sicherheit ist aber auch hier nur relativ: Ein “normales” Leben ohne Beschränkungen wird auch nicht mit einem negativen Test möglich sein, genauso wenig wie die Hoffnung, alle Infektionen nachverfolgen zu können. Das sollte also nicht die eigene Erwartungshaltung und auch nicht die der Politik sein; Schnelltests müssen trotz großer Hoffnungen ihren tatsächlichen Nutzen erst einmal beweisen. Erst dann ließen sich vertretbar größere Öffnungsschritte einleiten. Schließlich muss sich auch bei diesem Vorhaben die Planung der Bundesregierung bewähren: Kommt es zu logistischen Engpässen, einem Mangel an Personal oder einer Fehleinschätzung des Andranges, könnte es eher eine Enttäuschung werden.

Bis eines fernen Tages weitestgehende Normalität wieder herrscht, werden regelmäßige Schnelltests wohl zur Corona-Politik genauso dazugehören wie die bisherigen Regeln. 

Hangzhi Yu