Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

Konsumverhalten „Begierde, Einfluss und Umgang“

Entscheiden, Kaufen, Gebrauchen und wieder Entsorgen. Dieser Prozess ist ein täglicher Ablauf im Leben aller Menschen. Konsumieren ist für Menschen in Industrieländern ein selbstverständlicher Teil des Alltagslebens. Konsumieren lassen sich nicht nur Produkte, die man kauft, also materielle Sachen, wie Kleidung, sondern auch Dienstleistungen, die man nutzt, wie zum Beispiel im Internet surfen. Soziologisch betrachtet, also aus der Perspektive, die die Lehre der Gesellschaft beschreibt und soziales Verhalten der Menschen erforscht, ist Konsum soziales Handeln mit verschiedenen gesellschaftlichen und individuellen Funktionen. Konsum dient aber natürlich nicht nur der Befriedigung elementarer Bedürfnisse, also z.B der Beseitigung von Hunger, Stillen von Durst und Anschaffung von Bekleidung etc., sondern auch der Selbstverwirklichung. Konsumgüter sollen daher nicht nur funktional sein, sie sollen zudem die eigene Persönlichkeit unterstreichen. Sie werden gebraucht, um sich selbst hervorzuheben und seinen Lebensstil wieder zu spiegeln. Diese Funktion des Konsums als Selbstverwirklichung und der damit einhergehende Lebensstil wird als Konsumismus bezeichnet. So wird schnell klar, Kleidung ist nicht einfach Kleidung. Sie kann das äußere Erscheinungsbild problemlos verändern, Kleidung kann einem Menschen Kraft und Selbstsicherheit geben und auch den ersten Eindruck von einer Person beeinflussen. Diese Punkte können jedoch auch zu einem Problem werden. Es gibt z.B immer neue modische Sachen zukaufen, einige Kaufhausketten gehören zu den Fastfashion-Unternehmen, dass bedeutet das jeden Monat eine neue sogenannte Kollektion heraus kommt, was bedeutet, dass die vom vorherigen Monat schon längst wieder „Out“ ist. Das hat zur Folge, dass jeder/jede Konsument*in auch jeden Monat immer aufs neue die Möglichkeit bekommt sich selbst zu verwirklichen. Das bedeutet neue Massen an Klamotten zu verbrauchen, was für die Wirtschaft neuen Profit bedeutet, so also für die Unternehmen von Vorteil ist. Doch für das Klima, die Umwelt und künftige Generationen negative Auswirkung hat. So entsteht Konsumverhalten nicht einfach, sondern wird durch einen mehrphasigen Prozess entwickelt. Die erste Phase, wird Entscheidungsphase als bezeichnet. In ihr wird das Bedürfnis nach einem Konsumgut geweckt und der Kauf gedanklich geplant. Man kann es sich so vorstellen: Man guckt in ein Schaufenster und sieht ein Kleidungsstück, das einem gefällt. Die zweite Phase wird ganz einfach „Kauf“ genannt. In ihr ist das gedankliche planen schon vollendet und man setzt sein Vorhaben in die Tat um, das Kleidungsstück wird also gekauft. Die dritte Phase trägt den Namen „Verwendungsphase“. Das erfolgreich erworbene Kleidungsstück wird genutzt und verbraucht, also getragen. Als letztes folgt die Phase in der die Kleidung aufgetragen, kaputt oder dem Träger nicht mehr gefällt. Das Konsumgut muss infolge entsorgt oder im besten Fall wiederverwendet oder verwertet werden. Für den/die Besitzer*in des Kleidungsstückes ist das Konsumgut nur noch ein altes Stück Stoff und hat keinen Wert mehr in dessen Leben. Doch was viele nicht bedenken, wenn sie einen Sack voller Klamotten in den Altkleidercontainer werfen, dass durch diese Handlung die Konsumgüter nicht ein für alle mal beseitigt sind. Denn der Weg für sie fängt eigentlich erst an.

Es gibt noch einen weiteren Begriff der in eine ähnliche Richtung wie der Konsumismus zielt. Eine Konsumgesellschaft ist gekennzeichnet durch eine relative hohe Massenkaufkraft (Beispiel: Fastfashion), materiellen Wohlstand sowie durch Massenproduktion preisgünstiger und leicht beschaffbarer Verbrauchs- und Gebrauchsgüter, denn um so günstiger etwas ist, um so mehr Masse kann man insgesamt konsumieren. Letztendlich kauft man so aber nur für die Müllhalde. Bestimmt werden die Interessen der Bürger in einer Konsumgesellschaft weniger von eigenen Bedürfnissen und Interesse, als vielmehr durch Massenmedien, Werbung und politische Propaganda, also Beeinflussung des allgemeinen Bewusstseins in bestimmter systematischer Weise. Diese sogenannte Manipulation wird jedoch meist nicht bewusst wahrgenommen. Die Sehnsüchte nach Zugehörigkeit und Identität, die durch den Akt des Konsumierens gestillt werden sollen, sind die Anknüpfungen für Werbung und Marketingstrategien. Sie nutzen diese Wünsche aus, um ihr Produkt zu verkaufen. Das Ziel ist, bei den Menschen „Bedürfnisse“ zu wecken, die vor der Existenz mancher Produkte vielen niemals in den Sinn gekommen wären. Die Werbemacher versuchen das Produkt makellos wirken zu lassen, so als würde sich jeder der dieses Produkt besitzt, damit besser fühlen. Sie wollen quasi ein Lebensgefühl mitverkaufen und jeden so in ihren Bann hineinzuziehen. Und häufig klappt das auch ziemlich gut und problemlos, denn Werbung ist überall: auf Plakaten, an Bushaltestellen oder Gebäuden, im Internet, Zeitschriften, Fernsehen, Radio, Kino oder auf Labels z.B an T-Shirts oder Taschen. Man kann ihr also nicht entkommen.

Werbefirmen versuchen auch mit ihren Marketingstrategien besonders die jugendliche Zielgruppe zu erreichen. Sie geben sich alle Mühe, die Jungendlichen mit immer neuen Produkten anzusprechen. In einer Umfrage haben Personen zwischen 14 und 24 Jahren ihr Konsumverhalten geschildert. Dabei wird klar, dass nicht alles, was gekauft wird, den Jugendlichen wirklich wichtig erschien, 50 Prozent wurde sogar als überflüssig betrachtet. Doch nach welchen Kriterien kauft man eigentlich Konsumgüter?

Eine Studie des Deutschen Jungendinstituts München untersucht das Konsumverhalten von Jungendlichen und kam dabei zu folgenden Ergebnissen:

  • 8 Prozent kaufen Dinge, um bei Freund*Innen Eindruck zu machen.
  • 19 Prozent achten darauf, dass die Güter, die sie kaufen, auch von Freund*Innen positiv bewertet werden.
  • Für 27 Prozent sind Konsumartikel Mittel zur Selbstdarstellung.
  • 38 Prozent wollen stets über Produkte und Marken auf dem Laufenden sein.

Die restlichen 43 Prozent bevorzugen Markenprodukte. Bei dieser Statistik wird schnell deutlich, dass Alles immer neu sein muss, von Freunden gemocht oder Wohlstand ausdrücken soll. Es wird allerdings nirgendwo aufgelistet, dass jemand z.B darauf achtet Fair Trade zu kaufen, Second-Hand oder auf billig Ware verzichtet. Denn genau diese Vorsätze würden den Verbrauch von Gütern um Einiges reduzieren. Denn es wird klar, dass das derzeitige Konsummodell an ökologische Grenzen stößt. Erschreckender Weise würde man drei Erden benötigen, würden alle Menschen auf der Erde einen ähnlichen ressourcen-intensiven Lebensstil pflegen, wie hier in Europa. Letztendlich merkt man, dass Konsum positive, als auch negative Seiten hat. Positiv ist, dass er Bedürfnisse befriedigt, er ermöglicht Teilhaben am gesellschaftlichen Leben, es führt zu Wertschöpfung und schafft neue Arbeitsplätze. Der Bereich des Konsums macht ca. 75 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, privater Konsum hat einen Anteil von 50-60 Prozent daran. Das hohe Konsumniveau hat jedoch auch zahlreiche negative Konsequenzen. Der Umwelt wird geschadet , den Menschen und ganz besonders zukünftigen Generation. Jedes Produkt muss außerdem produziert und transportiert werden, benötigt beim Gebrauch Energie und muss schließlich entsorgt werden. Damit einher gehen Ressourcen- und Energieverbrauch, Abfälle und Emissionen. Die Gewinnung der Rohstoffe, Produktion und Entsorgung der Konsumgüter sind außerdem oftmals mit schlechten Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Gesundheitsgefahren verbunden. Insbesondere Bekleidung wird meist von China aus nach Deutschland verschifft, gekauft, gebraucht und dann wieder außer Land gebracht z.B nach Afrika, wo sie dann auf irgendeiner Müllhalde verrottet. Diese ganze Prozedur verbraucht Unmengen von Energie. Da ist es doch besonders besorgniserregend zu hören, dass die Textilindustrie zu den größten Konsumgüterbranchen in Deutschland zählt. So muss man leider sagen, die Deutschen sind Weltmeister im Bekleidungsverbrauch. JedeR Deutsche kauft im Durchschnitt 40-70 Kleidungsstücke pro Jahr, also umgerechnet 11-15 kg. Damit sind wir gemeinsam mit den USA und der Schweiz an der Weltspitze. Weil die Deutschen sehr viel konsumieren, wird die Produktion eher China, der Türkei und Bangladesch überlassen. Daher hat ein Kleidungsstück, bis es bei uns im Schrank landet, meist schon eine komplette Weltreise hinter sich. Der erste Schritt beginnt mit der Baumwollproduktion. Rund die Hälfte aller Kleidung wird aus Baumwolle hergestellt. Hauptanbaugebiete sind die USA, China, Pakistan, Indien und Usbekistan. Weltweit wird ca. 34 Millionen Hektar Fläche Baumwolle angebaut. Das entspricht in etwa der Fläche Deutschlands. Vom Anbauland wird die Baumwolle zum Verspinnen nach z.B China geschickt und anschließend weiter zum Nähen. Diese Arbeiten werden vor allem in Asien, Lateinamerika oder Osteuropa ausgeführt- in Ländern, in denen billige Löhne und katastrophale Arbeitsschutzbestimmungen existieren. Die Fabriken sind marode und einsturzgefährdet. Desto heruntergekommener die Gebäude sind, umso weniger muss der/die Inhaber*in dafür bezahlen. Das bedeutet allerdings auch, dass keine Notausgänge, Feuerlöscher etc. vorhanden sind. Aufgrund solch fehlender Sicherheit ist in Bangladesch schon einmal in einer Bekleidungsfabrik ein Feuer ausgebrochenen, bei dem viele Menschen ums Leben kamen. Weiter geht es für die T-Shirts oder Jeans schließlich nach Deutschland, wo sie oft zu Schnäppchenpreisen verkauft werden. Vor Allem deshalb und ist von Billigware abzuraten, doch auch teure Marken garantieren keine faire Entlohnung oder ökologische Produktion. Denn wie schon erwähnt verursacht der Transport der Zwischen- und Enderzeugnisse Emissionen, also Ausstoß von CO2. Modellrechnungen ermittelten einen durchschnittlichen Transportweg von 19.000km für ein Textilstück vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt. Diese Transporte verursachen auch nochmal CO2-Emissionen von 300-400g pro kg Bekleidung. Allein der Transport per Flugzeug verbraucht pro Tonne Jeans 131.040 Kilowattstunden Energie, das entspricht ungefähr der benötigten Energie für die Stromversorgung von 40 Haushalten in Deutschland für ein Jahr. Spätesten jetzt wird einem bewusst, was Konsumenten, der Umwelt alles zumuten.

Doch es wird nicht besser: durch die ausgebrochene Pandemie und die dadurch geschlossenen Kaufhäuser, Einkaufsläden und Butiken, hat der Konsum im Online-Handel rasant zugenommen. Es entstehen also nochmals mehr Abgase, durch das Ausliefern der bestellten Pakete.

In der Bekleidungsindustrie gibt es jedoch nicht nur ökologische Probleme, auch soziale und menschenrechtliche Problematiken sind vorhanden. Die Arbeitsbedingungen auf den Baumwollfeldern, den Spinnereien und Nähereien sind oft katastrophal. Weltweit arbeiten rund 100 Millionen Menschen in der Baumwollproduktion. Diese Arbeit ist häufig sehr schlecht bezahlt, doch die ArbeiterInnen haben keine andere Wahl. Sie müssen irgendwie ihre Familien ernähren obwohl der geringe Lohn selbst dafür manchmal nicht reicht. Denn von einer Jeans, die 50 Euro kostet, fließen lediglich 7 Euro zur Jeans-Fabrik. Die Lohnkosten machen gerade einmal 1% des Preises aus. 1 Prozent des Jeanspreises geht als Lohn an alle ArbeiterInnen, die Materialkosten machen 13 Prozent aus, die Transportkosten und sonstige Gebühren z.B Zoll belaufen sich auf 11 Prozent. 25 Prozent des Jeanspreises fließen an die Markenfirma für Werbung, Forschung, Entwicklung und Design. Die restlichen 50 Prozent, entfallen auf den Einzelhandel für Verkaufspersonal, Ladenmiete und Verwaltung+Gewinnspanne. Zu dem geringen Lohn hinzu kommt, dass sie giftigen Pestiziden ausgesetzt sind, da sie vielfach nicht über adäquate Schutzkleidung verfügen. Die NäherInnen arbeiten bis zu 16 Stunden am Tag, ohne soziale Absicherung. Zudem sind die Sicherheitsvorkehrungen in den Fabriken oftmals mangelhaft. So kommt es, wie auch schon erwähnt, immer wieder zu Bränden und Todesopfern. Die großen Firmen beuten die kleineren Firmen aus. Sie werden unterdrückt und schlecht behandelt. Es müssen sogar manchmal Kindern auf den Feldern mitarbeiten und das unter körperlich schweren Bedingungen. Anstatt Spaß zu haben und sorgenlos zu sein, müssen auch schon noch ganz junge Kinder ihrer Familie helfen zu überleben und Geld zu verdienen. Für Kinder in Deutschland unvorstellbar.

Doch was eigentlich tun, um das zu verbessern, bzw. nicht zu unterstützen?

Hilfreich wäre als erstes einmal das Motto „Woher“ und „Wie viel“. Wenn man sich diese Fragen immer wieder vorhält, kann man es schaffen nicht mehr den Massenkonsum zu unterstützen. Um auf das „Woher“ zurück zu kommen: am besten kauft man so, dass man weiß, wo diese Sachen produziert worden sind, unter welchen Bedingungen die ArbeiterInnen arbeiten mussten und aus welchen Materialien der Stoff hergestellt worden ist. Am besten ist Biobaumwolle aus fairem Handel. Wen man allerdings diese Kriterien beim Einkauf nicht immer erfüllen kann, sollte man auf jeden Fall auf das „wie viel“ achten. Um sich das besser vorzustellen: es ist genauso wie beim FastFood essen. Ab und zu mal und in gewissen Mengen ist es ok, doch wenn man es in Massen konsumiert kann es z.B der Gesundheit schaden. Was hilft ist, die Bekleidung die man schon hat länger zu tragen und sich beim Kauf neuer Kleidung zu fragen „brauche ich das wirklich?“ oder ob es nach ein paar mal tragen sowieso schon wieder „out“ ist und nicht mehr gefällt. Auch noch ein sehr guter Tipp ist es, sich mit Bekleidung vom Flohmarkt oder aus dem Second hand-laden einzudecken. Dort gibt es häufig ausgefallene Teile, die nicht Jeder trägt. Man muss Sachen auch nicht gleich kaufen, sondern kann sie sich auch leihen, teilen oder tauschen, mit z.B Freunden oder innerhalb der Familie, dass nennt sich dann „Refuse“, also das Neukaufen „ablehnen“. Wenn alle Menschen so handeln würden, könnte sich unser Konsumverhalten um einiges verbessern und man könnte auch der Umwelt einen großen Gefallen tun. Mit diesen Verbesserungsmöglichkeiten wird die Hoffnung größer, dass aus dem „könnte“ ein „kann“ wird und auch noch die zukünftigen Generationen die Chance bekommen die Ressourcenvielfalt schätzen zu können.

Emilia Bake