Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Kommunismus Teil II

Auf Lenin folgte ein Mann, der das Ziel einer geeinten kommunistischen Weltpolitik weiter voranbringen konnte als sein Vorgänger, doch die Vision des lenistischen Kommunismus wurde vom neuen Führer der Sowjetunion gehörig umgekrempelt.
Josef Stalin, wurde am 18.12.1878 in Goli, das im heutigen Georgien liegt, in die niedrigste gesellschaftliche Klasse des Russischen Reiches hineingeboren. Er konnte nicht lesen, nicht schreiben und vermutlich niemand hätte erwartet, dass dem Jungen aus der Provinz ein solch kometenhafter Aufstieg gelingen würde. Sein Aufstieg begann jedoch nicht zu Zeiten der russischen Revolution, wo er nur eine unbedeutende Randfigur ausmachte. Seine Zeit begann während der Bürgerkriegsjahre 1917-1921, in denen sich Stalin als außerordentliches Organisationstalent ausmachte. So schaffte er es schnell unter Lenins Vormundschaft zum Generalsekretär der KPdSU, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Dieses Amt nutzte er aus um innerhalb der Partei Fuß zu fassen und Einfluss zu gewinnen, indem er Allianzen mit anderen ranghohen Kommunisten schloss. Als dann Lenin krankheitsbedingt immer weniger Tätigkeiten ausüben konnte und sich langsam zurückzog, verhielt sich Stalin als einziger Vermittler zwischen Lenin und der Öffentlichkeit. Dieser Schachzug sicherte ihm dann nach Lenins Tod den obersten Platz der KPdSU. Als enger, untergebener Diener Lenins und der Vorenthaltung von dessen Testament durch Josef Stalin, wurde dieser zum vorderen Sargträger bei Lenins Beerdigung ausgewählt. Diese Ehre brachte ihm den Preis, nach dem er schon lange trachtete: die Sowjetunion. Als neuer Diktator spaltete er schon gleich die Führungsriege der KPdSU in zwei Lager. Die einen folgten ihm bereitwillig, die anderen folgten ihm aus Angst, denn Stalin schaltete jeden kompromisslos aus, der ihm in den Weg kam. Bekanntestes Opfer war wohl Leo Trotzki, der maßgeblich für die Planung der russischen Revolution verantwortlich und ein entscheidender Gegner des aufkommenden Stalinismus war. Dieser wurde am 21.08.1940 in Mexiko von einem russischen Attentäter im Auftrag Stalins in Mexiko mit einem Eispickel erschlagen wurde. Doch Trotzki war nur einer von Millionen, die während der stalinistischen Herrschaft sterben mussten. Denn ab 1934, nach dem Tod des stalintreuen Sergei Kirow, begann Stalins Säuberungsaktion, der Große Terror. Anfangs aus Angst vor Anschlägen und Verschwörungen, später nur noch um die Quote aufrecht zu erhalten, starben allein zwischen 1937 und 1938 1,2 Millionen willkürlich ausgesuchte Menschen. Stalin formte auch die Konzentrationslager für „Klassenfeinde“ seines Vorgängers zu einem System von 467 „Besserungslagern“ und „Sondersiedlungen“ um, die sinnbildlich für das stalinistische Regime stehen sollten. Die sogenannten Gulags, benannt nach der „Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager“, sorgten für einen unausschöpflichen Fluss an neuen, billigen Arbeitern oder der Ausschaltung von möglichen Gegnern. Das Ziel dieser Lager war es jedoch nicht, wie in Nazi-Deutschland, die Auslöschung des menschlichen Lebens, dennoch starben von den 14 Millionen Inhaftierten mindestens 1,6 Millionen Menschen an Kälte, Hunger, Überlastung oder Folter, z.B. überlebten von den 110.000 deutschen Kriegsgefangenen von Stalingrad nur 5000 die Lager. Diese Lager wurden 7 Jahre nach Stalins Tod, der 1953 starb, offiziell abgeschafft. Einige Lager blieben aber bis zum Ende der Sowjetunion in Betrieb.

Wie schon am Anfang erwähnt gab es einen großen Unterschied zwischen dem lenistischen und dem stalinistischen Kommunismus:

  • Wo Lenin die Gleichheit aller Menschen und das Ende der Bourgeoisie anstrebte, versuchte Stalin nur seine Macht auszubauen und entledigte sich jedwedem Ärgernis.
  • Wohingegen Lenin das Ideal eines weltweiten Kommunismus anstrebte, bei dem sich jedes Volk selbst regierte, versuchte Stalin den Fokus auf der Aufrechterhaltung des Kommunismus in der Sowjetunion und seinen Satellitenstaaten aufrecht zu erhalten, notfalls auch mit der Unterdrückung des eigenen Volkes.
  • Lenin sah in seiner Politik eine Liberalisierung der Wirtschaft mit einem freien Markt vor, während Stalin den Fokus auf den schnellen Aufbau der Industrialisierung und der Kollektivierung der Wirtschaft setzte. Der andere große kommunistische Führer der Weltgeschichte war Mao Zedong, der Anfang der 1940er Jahre eine kommunistische Revolution in China in Gang setzte. Mit seinem berühmten „Langen Marsch“ brachte er China in seine Macht und baute auf eine radikale, zerstörerische Industrialisierung mit Fokus auf Reis, Getreide und vor allem Stahl. Dieses Vorhaben brauchte humanes Kapital und das hatte China. Mit Unterstützung der Kommunistischen Partei Chinas begann 1958 eine der schlimmsten humanitären Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Es gab keinen Privatbesitz mehr, alles gehörte der Partei. Jeder Bauer wurde in Kommunen mit jeweils tausenden anderen Bauen aufgeteilt, die alle zusammen lebten und arbeiteten und arbeiten taten sie, wie das chinesische Propagandabüro stolz verlauten ließ, „48 Stunden und ruhten nur 6 Stunden“. Gegner und Kritiker verschwanden in den Kellern der Polizei und tauchten nicht wieder auf. Zuerst schien es, als ob Maos Plan aufging, doch sein fanatischer Drang die Stahlproduktion voranzutreiben und weitere Fehlentscheidungen führten dazu, dass es nicht mehr genug Arbeiter auf den Feldern gab, weil alle anderen Stahl schmolzen oder von den Feldern zum Schmelzen gezwungen wurden. Auch Insekten machten den Ernten zu schaffen, die zum großen Teil auf den Feldern verrotteten. Das Essen schwand, doch Chinas Propaganda war so gut, dass niemand die Katastrophe bemerkte, die unweigerlich näherrückte. Mao traute falschen Zahlen und steigerte sich immer weiter in die Stahlproduktion ein, wobei er die Nahrungsproduktion weiter außer Acht ließ. Kommunen fingen an zu hungern, da Handel zwischen den einzelnen Kommunen nicht vorgesehen war und Nahrungsvorräte, die für ein halbes Jahr vorgesehen waren, waren schon nach fünf Wochen aufgebraucht. Wenige indes wagten zu revoltieren, da Angst vor Strafen sie weiter stumm und hungernd an die Schmelzöfen trieb. Das Elend wurde größer und das Proletariat litt immer mehr. Maos kommunistisches Manifest, „das kleine Rote Buch“ wurde veröffentlicht und sollte seine unbeirrten Glauben an den Kommunismus ausdrücken und wurde nach der Bibel zum zweit meistverkauften Buch der Welt.

Das Elend und die Armut sowie der Hunger wurde so groß, dass die Bevölkerung begann Baumrinde und das Fleisch der Verhungerten zu verzehren. Mao erkannte schließlich das Problem und nachdem er die Schuld zuerst auf die inneren und äußeren Feinde und dann später sogar auf den Kommunismus selbst verschob, sah man, dass seine Ambitionen nur ihm selbst und nicht dem Kommunismus galten. Nach einiger Zeit fuhr er die Stahlproduktion etwas herunter, doch er hatte zu spät reagiert: 40-50 Millionen Menschen waren verhungert oder starben an Strafen und Folter.

Doch 1960 folgte die nächste Krise: der Maoismus, ein auf Mao ausgerichtetes kommunistisches System, das die Bevölkerung durch Propaganda zum freiwilligen Hungern antrieb.
1976 starb mit ihm einer der schlimmsten Massenmörder der Weltgeschichte und dennoch wird heute noch von der Kommunistischen Partei Chinas fast wie ein Heiliger verehrt.

Ein weiterer kommunistischer Führer war Pol Pot, der durch einflussreiche Kontakte trotz mangelnder Leistung in Frankreich Radiotechnik studieren konnte und dort in den Kontakt mit den kommunistischen Ideen und Schriften kam. Mit Karl Marx Schriften konnte der junge Kambodschaner, der 1925 geboren wurde, nicht viel anfangen und suchte seine Inspiration lieber bei Josef Stalin oder Mao Zedong. Ein Aufstand in Kambodscha gegen die französischen Kolonialbesatzer brachte Pot zurück und ebnete seinen Aufstieg, den er mit Hilfe der neu gegründeten Untergrundpartei RVPK, der Revolutionären Volkspartei der Khmer, bewältigte. Als Anführer der Partei ging er in einen Bürgerkrieg über, bei dem er sich auch der USA gegenüber sah, doch er siegte. Daraufhin folgte aber erst der richtige Schrecken. Als „Bruder Nummer Eins“, wie er sich nannte, arbeitete er seine Todesliste ab und alle politischen Gegner fanden ihren Tod. Aber damit nicht genug: die größte Massenevakuierung der Weltgeschichte fand ihren Anfang, als Pot die ganze kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh räumen ließ. Der „Todesmarsch“ wie ihm westliche Medien nannten fand ihren Anfang. Die Bevölkerung wurde in drei Kategorien aufgeteilt: 1. Menschen mit vollen Rechten, 2. Kandidaten, 3. Deponierte, die von den Städten aufs Land gebracht werden. Gebildete Deponierte, wie Lehrer oder Ärzte, wurden auf die Felder geschickt und wurden dort systematisch ausgehungert und in diesem Stil trieb Pol Pot seinen Führungsstil fort. Hunderttausende, die Pot nicht benötigte, mussten sich ihre eigenen Gräber schaufeln, da Kugeln zu teuer waren, tausende wurden gefoltert, 25.000 Mönche wurden aufgrund des neu ausgerufenen Staatsatheismus ermordet, Unterdrückung wurde in allen Mitteln betrieben und schätzungsweise können bis zu drei Millionen den Tod unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer gefunden haben. Nach einer Kriegserklärung an Vietnam ordnete er die vollkommende Auslöschung der Vietnamesen an und tötete an die 100.000 Grenzbewohner, die nach vietnamesischer Bombardierung revoltierten. Er unterlag nach langen Kämpfen trotz Unterstützung Chinas und konnte nie wieder die Macht an sich reißen. Doch während seiner nur vierjährigen Herrschaft starb ca. 1/4 der Bevölkerung Kambodschas.

Ich könnte noch unzählige weitere kommunistischen Führer aufzählen, wie Fidel Castro in Kuba, Josip Broc Tito in Jugoslawien oder den Kim-Clan in Nordkorea, aber es gab im letzten Jahrhundert zu viele, als dass ich alle aufzählen könnte. Fast die Hälfte aller heutigen Staaten sah sich in ihrer jüngsten Geschichte unter kommunistischen Führung wieder, doch heutzutage folgen nur vier Länder offiziell der marxistisch-lenistischen- Staatsdoktrin: die Volksrepublik China, die Sozialistische Republik Vietnam, die Demokratische Volksrepublik Laos und die Republik Kuba. Jedes dieser Länder gibt aber an, nach der wahren Form des Kommunismus zu streben, weil sie diese noch nicht gefunden haben. Ein weiteres kommunistisches Land ist die Demokratische Volksrepublik Nordkorea, die aber nicht marxistisch-lenistisch-ideologisch sondern Chuch’e- ideologisch ist, eine neuinterpretierte und weiterentwickelte Form des Ur-Marxismus. Kommunismus findet aber auch in anderen Ländern wieder Fuß. In einigen indischen Bundesstaaten stehen Marxisten an der Regierungsspitze, die Kommunistische Partei in Südafrika ist Mitregent, in Uruguay und Weißrussland stehen kommunistische Parteien mit großer Unterstützung dar und das Ursprungsland Russland, dass heute offiziell demokratisch ist, hat mit seinem schwierigen Erbe zu kämpfen und wird von vielen Kritikern als eher undemokratisch betitelt.

Die Geschichte des Kommunismus ist eine blutige. Vielleicht 16 Millionen Tote durch den Kommunismus in Russland, bis zu 50 Millionen Tote in Maos kommunistischen China, bis zu drei Millionen Tote in Kambodscha, der Kalte Krieg, blutig niedergeschlagene Reform- und Revolutionsversuche im Gebiet der Sowjetunion (Prager Frühling, Aufstand in Ungarn 23.10.56), zeugen von seiner Bedeutung für die Gegenwart.

Wo der Populismus in Figur von ultranationalistischen Regierungschefs, wie Trump in den USA, Bolsonaro in Brasilien oder Orban in Ungarn, heutzutage wieder aufkeimt, taucht auch der Kommunismus wieder auf, doch das ist ein Phänomen, das es schon seit langem zu beobachten gibt. Wo rechts aufkommt, kommt auch links hervor.

Die Vergangenheit des Kommunismus lag vor allem in Russland, wo der Kommunismus bis 1991 seine eigene Erfolgsstory hatte, bei der das Proletariat nichts von dem Reichtum der wenigen Regierenden abbekam; so liegt die Zukunft des Kommunismus im Voranschreiten Chinas, das die Idee und die Möglichkeiten des Kommunismus in die Welt trägt. Auf fruchtbaren Boden treffen sie weniger in den kapitalistischen Staaten, wie Deutschland oder der USA, sondern vielmehr in den eher ärmeren und weniger wirtschaftsstarken Ländern.
Ein solch bahnbrechender Erfolg, wie in der Vergangenheit, ist aber nicht zu erwarten, doch man weiß wohl nie.

Fun facts:

  • Kasachstan war für vier Tage die ganze Sowjetunion, also der letzte Staat, der den Titel Sowjetunion getragen hatte, da Russland vor ihnen aus dem Staatenbündnis austrat
  • Die Mongolei hat die Sowjetunion fünf Mal gebeten, dass man sie doch bitte annektieren oder einnehmen solle, was die Sowjetunion unter Moskaus Führung jedoch stets zurückwies

Kennet Lambrecht