Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Kommunismus Teil 1

„Ein Gespenst geht um in Europa- das Gespenst des Kommunismus.“ So beginnt das Manifest der Kommunistischen Partei, besser bekannt als das Kommunistische Manifest. Von Karl Marx und Friedrich Engels im Februar 1848 im Auftrag des Bundes der Kommunisten in London veröffentlicht. Vermutlich wurde das Kommunistische Manifest aber nur von Marx alleine geschrieben, doch Ausgang dafür war ein Text Engels. 

Das Manifest ist in vier Teile aufgeteilt.

Der erste Teil befasst sich mit dem durch die Industrialisierung entstandenen neuen Klassensystem. Es wird davon gesprochen, dass sich nun zwei Fronten gegenüberstehen: Die unterdrückte Arbeiterschaft (Proletariat) und die ausbeutende Bourgeoisie. Seit Beginn der Industrialisierung kam es zu einer starken Landflucht und die Menschen zogen in die neuen Industriestädte. Dort kam es aber dazu, dass die Arbeitenden von den Firmenbesitzern ausgebeutet wurden. Zusätzlich entfremdete sich das Proletariat allmählich von sich selbst, der Religion und den Produkten, die sie herstellten. Das lag unter anderem an den Arbeitsbedingungen, wobei die Arbeitenden nur einen einzelnen Arbeitsschritt ausübten und dadurch nicht mehr selbst ein ganzes Produkt produzierten, wie es vorher der Fall gewesen ist. Außerdem kam die Frage auf, warum ein Gott, wenn es ihn denn gäbe, das Leid des Proletariats zulasse. Marx griff diese Frage selbst in einen seiner Texte auf und formulierte die Aussage: „Religion ist das Opium des Volkes. Opium, eine Droge aus Schlafmohn, macht die Arbeiterschaft teilnahmslos und das ist es, was Marx und Engels abschütteln möchten. 

Denn in dem zweiten Teil des Manifests wird das Proletariat dazu aufgerufen, für ihre Rechte zu kämpfen und das System zu stürzen, in dem sie leben. Dazu haben die beiden zehn Punkte formuliert, wie z.B.: die Expropriation (Enteignung) des Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staatsausgaben, öffentliche Erziehung für alle Kinder oder eine Zentralisation alles Transportwesens in den Händen des Staates. 

Im dritten Teil listen die beiden Autoren eine Reihe von Interpretationsmöglichkeiten von Kommunismus und Sozialismus auf. 

Im vierten und letzten Teil werden von Marx und Engels Länder aufgezählt, mit denen sich die kommunistischen Ideen vereinbaren lassen und mit denen die beiden sich solidarisieren können. Der Teil und das Manifest enden mit den Worten: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ 

Es war ein Aufruf zum sofortigen Handeln und kurze Zeit später kam es zu sozialen Unruhen in Frankreich, die zur Abdankung König Louis-Philippe I. führten. Die Revolution griff nun auch auf andere Länder über, nicht zuletzt Deutschland, wo die Revolutionsbewegung eine große Anhängerschaft fand. Jedoch waren die Revolutionsbewegungen keineswegs ein Produkt des Kommunistischen Manifest, sondern vielmehr eine Deadline gewesen, an der sich das unterdrückte Volk nicht mehr im Bann halten ließ. Anders als man vielleicht erwartet hätte, hatte das Kommunistische Manifest keine gravierenden Auswirkungen auf die Zeit kurz nach seiner Veröffentlichung. Diese folgten erst mehrere Jahrzehnte später in einem solchen Ausmaß, dass beinahe 50% der Erdbevölkerung unten einem marxistischen Regime lebte.

Aber woher stammen die Ideen, die Marx und Engels in die Welt getragen haben? Sind es neue Ideen, Ideen, die von Marx und Engels sozusagen erfunden worden sind? Keineswegs! Sie haben Ideen aufgefasst, die sogar schon seit Jahrtausenden in den Köpfen einiger Menschen fest verankert waren.

In verschiedenen Formen tauchten kommunistische Formen immer wieder im Laufe der Geschichte auf. Im Griechenland der Antike kam die Bewegung der Pythagoreer unter dem Namensgeber und Philosophen Pythagoras auf. Es wurde zusammen gespeist, gewohnt und Besitz geteilt. Das sind Werte, die auch im modernen Kommunismus auftauchten. Pythagoras Engagement zur Integrierung von Frauen in diese Gesellschaft und seiner Philosophenschulen wurde dagegen später nie in einem solchen Ausmaß wieder aufgegriffen. Bei den Pythagoreern wurde der Gründer als gottgleich verehrt, was vermutlich zum Erhalt der Gemeinschaft genutzt wurde. 

Im frühen 19. Jahrhundert erreichten mit deutschen Einwanderern prä-marxistisch europäische kommunistische Ideen das amerikanische Festland und führte zur Gründung dreier Modellstädte. Die Gemeinschaft der deutschen Einwanderer schloss sich als die „Harmony Society“ (Harmonie Gesellschaft) zusammen. Jedes Mitglied musste bei Eintritt einen Eid auf die Ideale der Gesellschaft schwören und alles Hab und Gut der Gemeinschaft spenden. Ihre Ideale jedoch unterschieden sich stark von denen, die wir aus dem modernen Kommunismus kennen. Sie haben als Grundlage das deutsche Luthertum, gepaart mit der Philosophie des Begründers der Idee der „Harmony Society“ Johann Georg Rapp. Aufgrund der verschiedenen Glaubensauffassung zwischen Rapps Philosophie und dem Luthertum spaltete sich dieser kurzerhand mit seiner Anhängerschaft von der deutschen Kirche ab. Das Zölibat (sexuelle Enthaltsamkeit), Verweigerung des Militärdienstes und viele andere Dinge führten zu dieser Trennung. 

Zu den kommunistischen Ideen der Gesellschaft gehörten unter anderem die gemeinnützige Arbeit, bei der alle ohne Entlohnung zusammenarbeiteten, um dann, wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren, gepflegt zu werden. Dieses Prinzip geht vermutlich sogar auf die Apostelgeschichten von Lukas zurück. Insgesamt kann man sagen, dass sich frühere Gruppen mit kommunistischen Grundzügen fast ausschließlich jüdisch-christlichen Religionsgrundsätzen annäherten. Dieses Denken fasste neben einigen Wissenschaftlern auch Marx auf, der das Christentum in seinem Beginn als eine kommunistische Bewegung mit Jesus als ersten Kommunisten versteht. 

Doch die wirklich ersten kommunistischen Gedanken entstanden etwa zeitgleich wie die kapitalistischen. Dies geschah in den Zusammenkünften der frühsteinzeitlichen Jäger-Sammler-Gesellschaft. 

Ein sogar noch zeitgemäßes Beispiel dieser Zeit ist North Sentinel Island, eine zu Indien gehörende Insel, die im Golf von Bengalen liegt. Vor vermutlich knapp 60 000 Jahren landeten die ersten Bewohner auf der Insel und da die Insel bis heute in keinerlei Kontakt zu ihrer Außenwelt lebt, herrscht dort eine Art primitiver Kommunismus, bei dem alle Erträge gleichermaßen innerhalb der Gesellschaft verteilt werden.

Demnach kann man sagen, dass Marx und Engels nicht die Erfinder des Kommunismus waren, aber für die Verbreitung und die spätere Begeisterung maßgeblich beteiligt waren. 

Karl Heinrich Marx, drittes von neun Kindern jüdischer Eltern, wurde 1818 in Trier geboren und im Alter von drei Jahren aufgrund antijüdischer Gesetze in Preußen christlich getauft. Nach seinem Abitur am aufklärerischen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium besuchte Marx die Universität Bonn um dort Jura zu studieren. Auf Geheiß seines Vaters wechselte Karl Marx ein Jahr später auf die Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin. So wie schon zuvor verfolgte er sein Studium mit nicht allzu viel Fleiß und besuchte stattdessen lieber philosophische und geschichtliche Vorlesungen besuchte. Er schloss sich den Linkshegelianern an, die sich für die Interessen der Armen und Verfolgten verschrieben. 

Da seine schulischen Leistungen zu durchschnittlich waren, konnte Marx sich nicht an einer besonders renommierten Universität bewerben und landete so in Jena. Seine Doktorarbeit entstand dort. Er strebte eine akademische Laufbahn an, wurde aber an verschiedenen Universitäten wegen seiner radikalen Ansichten abgelehnt. Fortan war er arbeitslos und wandte sich schnell dem Journalismus zu. Im Oktober 1842 wurde er Redakteur der „Rheinischen Zeitung“, einer links ausgerichteten Zeitung aus Köln. Mit Marx verdreifachten sich die Auflagen, doch schnell gelangte er in das Blickfeld der preußischen Regierung. Aufgrund kritischer Artikel gegen die Regierung des russischen Zarenreichs wurde die Zeitung 1843 von der preußischen Regierung geschlossen, die unter Druck des Zaren stand. 

Nach seiner Hochzeit mit Jenny von Westphalen zog Marx 1845 in die Hauptstadt der Radikalen, nach Brüssel. Dort traf er Engels und dort entstand das Kommunistische Manifest, das aber dazu führte, dass Marx aus Belgien ausgewiesen wurde und nach London floh, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Nach dem Tod seiner Mutter lösten sich die Geldsorgen der Familie Marx in Luft auf und ab da an lebten sie ein bürgerliches Leben. Seine Töchter, die einzigen, die das Erwachsenenalter erreichten, eiferten ihrem Vater nach und waren allesamt selbst ein Teil der kommunistischen Bewegung und leisteten ihren Teil an der Verbreitung des Kommunismus. 

Am 14.03.1883 starb Karl Marx und selbst auf seinem Grabstein waren noch die Worte geschrieben, denen er sich verschrieben hatte: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch.

Friedrich Engels, Marx’ Wegbegleiter, wurde am 28. November 1820 in Barmen geboren und war der Sohn eines Textilunternehmens. Nach dem Besuch des Gymnasium zu Elberfeld wurde der 21 Jährige auf Wunsch seines Vaters nach Manchester geschickt, damit er dort den Alltag des Textilwesens kennenlernen konnte. Engels Vater hatte sich erhofft, dass sein Sohn dadurch seinen radikalen Gedanken abschwört, doch er erreichte nur das Gegenteil. Erzürnt über die Zustände, in denen die Arbeiterschaft leben musste, fing Engels an über dieses Thema zu schreiben. Der Kapitalismus und die Folgen der Industrialisierung für das Proletariat wurden seine Leitthemen. Auf dem Hinweg nach Manchester war er zuvor Marx bei der „Rheinischen Post“ begegnet, wobei ihre Begegnung nur bei Engels für Begeisterung sorgte, da zu diesem Zeitpunkt nur der Ältere Bekanntheit und Ansehen erlangt hatte. 1844 in Belgien trafen sie sich erneut und ihre Zusammenarbeit begann unter anderem mit dem Kommunistischen Manifest. In der Folgezeit arbeiteten die beiden an unterschiedlichen Publikationen und Marx, der sich voll und ganz auf seine Philosophie konzentrierte, musste auf den großzügigen Geldfluss von Engels Familienunternehmen zurückgreifen. Das ist genau die Zweiseitigkeit, die Engels vorgeworfen wird. Tagsüber beutete er das Proletariat als Textilunternehmer aus und wenn die Sonne untergegangen war, verschrieb er sich der Befreiung ebendieser. 

Friedrich Engels starb am 05. August 1895 in London und konnte nie aus dem Schatten seines Partners Karl Marx kommen.

Der Durchbruch des Kommunismus gelang 1917 im heutigen Russland, und der Mann, dem das gelang, war Wladimir Ilijitsch Lenin. Er kam aus einfachen Verhältnissen und entwickelte sich zu der Leitfigur des russischen Kommunismus, wenn nicht sogar des weltweiten Kommunismus. 

Der erste Weltkrieg verlief ganz und gar nicht zu Gunsten des Kaiserreiches und so kam es, dass 1917 das Jahr war, an dem das Fass überlief und die Herrschaft der russischen Zaren beenden wurde. Der durchtriebene und von außergewöhnlich charismatischer Ausstrahlung Lenin schaffte es, dass der Zar mitsamt seiner Familie von der Roten Armee verhaftet und entmachtet wurde. In Folge dessen wurde der Kern der Zarenfamilie im Juli 1918 erschossen. In der Zwischenzeit hatte Lenins Revolution Erfolg gehabt und eine kommunistische Regierung hatte die Macht über Russland inne.

Diese Regierung wäre aber schon nach kurzer Zeit fast wieder gestürzt worden und der Traum eines kommunistischen Russlands gestorben. Ein blutiger Bürgerkrieg entbrannte in Russland, in dem die kommunistische Rote Armee gegen die monarchistische Weiße Armee kämpfte, die von Ländern wie England unterstützt wurde. Schlussendlich konnte die Rote Armee obsiegen und der Weg für die Herrschaft des Kommunismus war gesichert. 

Lenin hatte den Grundstein gelegt und Stalin war es, der Lenins Weg fortsetzte, doch ganz anders, als sein Vorgänger es gewollt hätte.

Um diesen und die moderne Geschichte des Kommunismus geht es in der nächsten Ausgabe.

Von Kennet Lambrecht