Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Kann ein Impfstoff die Pandemie bereits nächstes Jahr beenden?

BioNTech-Pfizer, Moderna und auch AstraZeneca sind Firmen, die durch die Entwicklung eines Impfstoffes weltweites Aufsehen erlangen konnten. So werden vermutlich diese von ihnen entwickelten Vakzine die ersten sein, die gegebenenfalls bereits Ende 2020 oder Anfang 2021 von der EMA (European Medicines Agency) für Europa und von dem Paul- Ehrlich-Institut als deutsches Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel zugelassen werden. Aus diesen Nachrichten heraus stellt sich die Frage, ob die Pandemie, die allein in Deutschland zuletzt pro Tag mehr als 400 Menschen das Leben gekostet hat, durch einen Impfstoff bereits im nächsten Jahr besiegt werden kann. Grundsätzlich können die Ziele einer Impfungen in zwei Bereiche geteilt werden: der individuelle Schutz und die Herdenimmunität.

Die individuelle Immunität beschreibt dabei die Immunität jedes einzelnen und impliziert somit einen durch die Impfung verursachten Selbstschutz. Durch die Impfung mit den Impfstoffen der oben genannten Hersteller kann dabei ein Schutz nicht an SARS-CoV-2 zu erkranken von etwa mindestens 70% (AstraZeneca) bis zu 95% (BioNTech-Pfizer, Moderna) erzielt werden.Dies würde den Verlauf der aktuellen Pandemie maßgeblich beeinflussen, da nach der Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission) zuerst die Menschen geimpft werden sollen, die eine besonders hohe Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf mit einem darauffolgenden Tod haben. So gehören die über 85 jährigen Menschen zu der ersten Gruppe, die geimpft werden sollen. In dieser Altersgruppe liegt die Letalität bei rund 30%, so dass durch eine hohe Zahl an Geimpften in dieser Gruppe der Verlauf der Pandemie und insbesondere der Todeszahlen positiv beeinflusst werden könnte. Im Vergleich dazu liegt die Infektionssterblichkeit bei Menschen im Alter zwischen 75 und 84 bei “nur” 8,5%.

Das zweite Ziel, die Herdenimmunität, ist momentan von noch offenen Fragen geprägt. Generell ist das Ziel einer solchen Immunität, dass circa 60% der Bevölkerung auf einen Kontakt mit Coronaviren mit einer Immunreaktion antworten können und somit gegen eine Krankheit immun sind. In Folge dessen würde ein Virus nicht mehr genügend Wirte finden können, um sich zu verbreiten. Fraglich ist momentan noch, ob sich auch nach einer Injektion eines Impfstoffes die Coronaviren im Körper an den oberen Atemwegen ansiedeln können bevor sie vom Vakzin bekämpft werden, sodass ein Verbreiten der Viren durch den Wirt möglich wäre. Dies würde der Eindämmung der Pandemie erschweren und eine schnelle Impfung aller Menschen noch relevanter machen, um eine Herdenimmunität zu erreichen.

Um eine schnelle Impfung der Bürger zu ermöglichen, hat die Bundesregierung vorab Verträge mit den Herstellern, insbesondere BioNTech, geschlossen, in denen fast 94 Millionen Impfdosen gesichert wurden. Diese werden jedoch nicht sofort nach der Zulassung für Deutschland bereitstehen, sondern in Teilen geliefert werden, sodass nur in bestimmtem Rahmen die Impfungen verabreicht werden können und somit eine maximale Auslastung der geplanten Impfzentren vor allem von der Geschwindigkeit der Lieferung abhängt. Insgesamt würde jedoch die gekaufte Menge an Impfstoff reichen, das Ziel der Herdenimmunität zu erreichen. Ein weiterer Faktor, der momentan noch nicht geklärt ist, ist die Frage, wie lange die durch den Impfstoff verursachte Immunreaktion anhält. So ist es möglich, dass die Impfung, welche pro Person zweimal injiziert werden muss, jährlich neu geimpft werden muss, wie beispielsweise die Impfung gegen Influenza, und der Impfschutz nicht jahrelang erhalten bleibt.

Schlussendlich hängt jedoch das Erreichen einer Herdenimmunität in Deutschland von uns Menschen ab. So sank Anfang Dezember die Bereitschaft sich gegen COVID-19 impfen zu lassen auf 50%. Dieser Tiefpunkt in der Bereitschaft würde, sofern die Einstellung anhält, einen Sieg über die Pandemie in die Ferne rücken lassen. Dass die Corona Pandemie bereits in einem Jahr besiegt ist, scheint aufgrund der zahlreichen Einflussfaktoren momentan noch unwahrscheinlich. Dennoch können Impfstoffe den Verlauf der Pandemie abmildern und die Auswirkungen, die die Erkrankung besonders für die Risikogruppe beinhaltet, durch den individuellen Schutz positiv beeinflussen.

Hannes Ahrens