Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Ein Theater in der Pandemie

Freitag, 13.03.2020, Beckergrube 16, 23552 Lübeck

Zu dieser Zeit, an diesem Ort, sitzen knapp 300 Kunstschaffende gespannt an den Nachrichtenkanälen und wollen wissen, was das Ministerium, reagierend auf die ansteigenden Corona-Infektionszahlen, zum fortlaufenden Spielbetrieb auf den drei Bühnen ihres Theaters in Lübeck beschließt. Es heißt, dass das Theater bis auf weiteres den gesamten öffentlichen Spielbetrieb für den Rest der Spielzeit 2019/20 beenden muss. Für Andreas Hutzel, Robert Brandt und den Rest des Schauspiel-Ensembles, ist das die Nachricht, die sich keiner hätte ausmalen können. Nicht spielen zu dürfen scheint für jede/n Schauspieler*in, das Aus, vor allem für die knapp 11.000 freischaffenden Künstler, die sich nicht zu den Mitgliedern eines festen Ensembles zählen können. Proben werden unterbrochen, Einnahmequellen versiegen und die Pandemie steht vor der Tür. Ähnlich geht es den Schülern, die ebenfalls an diesem verhängnisvollen Freitag den 13. die Nachricht bekommen, dass sie voraussichtlich erstmal nicht zur Schule gehen werden, was sich auch bis zum Beginn der Sommerferien bestätigt.

 Was nun eine Spielpause zu bedeuten hat, konnten sich die wenigsten am Theater Lübeck vorstellen. Vom 13.03.2020 bis zum 28.08.2020 hieß es, Ruhe bewahren und Planen, wie ein Hygiene-Konzept und die Kontakt-Nachverfolgung an einem Theater aussehen könnten, um das Spielen während Corona zu ermöglichen. Nach vielen organisatorischen Herausforderungen und wahren Existenzängsten, kam es dann doch zur einer Premiere und dem Spielzeitauftakt 2020/21. Anders war, dass nur ungefähr 200 anstatt der gewöhnlichen 800 Zuschauer in den Rängen sitzen durften, da durch das Hygienekonzept sowohl Sitzreihen als auch Plätze freigehalten werden mussten und ein „Toi, Toi, Toi“ am Ohr des Kollegen war ebenfalls nicht drin. Dieses Szenario zog sich durch die gesamte Spielzeit 2020/21, in der fünf Produktionen, mit Corona konformen Inszenierungen, zur Premiere kamen, bis der zweite Lockdown am 1. November dem Theater und vielen anderen Branchen wieder einen Strich durch die Rechnung machte und die Vorhänge bis Heute geschlossen hält. Zusammengefasst wurden dem Theater Jahr 2020 also vier Monate des gewöhnlichen Spielbetriebs genommen, bestehende Spielpläne mussten wortwörtlich verworfen werden und die Aufführungen, die stattfanden, konnten nur vor einem Viertel des Publikums gespielt werden. 

Nach nunmehr fünf weiteren Monaten der leeren Publikumsränge steht nun ein weiterer Neuanfang in Aussicht. Die Lübecker Bucht wurde nach einem Antrag zu einer der Modellstandorte in Schleswig-Holstein ernannt, wodurch Tourismus, Kultur und Einzelhandel wieder ihre Türen öffnen durften. Auch der theaterinterne Probenbeginn wurde durch eine raffinierte Teststrategie, ähnlich wie in den Schulen, seit Mitte März wieder ermöglicht, um den Auftakt am 15.05.2021 zu garantieren. Schon jetzt hat sich das Theater durch zwei online Vorstellungen bemerkbar gemacht und hat gezeigt, dass die Schauspieler*innen nicht alles verlernt haben.

Auch für die junge Generation ist das Theaterspiel in diesem Jahr am Lübecker Theater interessant, da es sich mit Themen auseinandersetzt, die für uns alles andere als fremd sind. Stücke wie „Ghetto“ und „Vögel“, die sich unter anderem mit dem Leben in einem Ghetto unter der NS-Diktatur und dem liberalen Wunsch einer jungen arabischen Frau nach Selbstbestimmung auseinandersetzen. 

Fakt ist, dass Andreas Hutzel, Robert Brandt & Co das Spielen vor Publikum sehnlichst vermissen, so wie es den Schülern fehlt, zwei aufeinanderfolgende Wochen Unterricht in Präsenz zu haben, und es nicht erwarten können in weniger, als zwei Wochen mal wieder eine richtige Premiere vor Publikum zu genießen. 

Von Carlos Krieger