Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Die „European Super League“: Geld gegen Tradition

In der Nacht vom 18. zum 19. April 2021, veröffentlichte ein Verband aus 12 europäischen Fußballklubs ein elitäres Konzept, vor dem Experten schon lange gewarnt hatten: Die European Super League. Durch einen völlig neuen Wettbewerb sollte der Profisport so stark wie nie zuvor finanziell ausgeschlachtet werden. Es begann ein Wettlauf voller Drohungen, Proteste und Konflikten, der 48 Stunden später vorerst einen Sieger fand, welcher letztendlich jedoch eher das kleinere Übel, als das rettende Ufer darstellte.

„Die Super League soll den Fußball retten“ lautete das Statement des Planungsmitgliedes des neuen Projekts und Vorsitzenden des spanischen Fußballvereins Real Madrid, Florentino Perez. Und tatsächlich war die neue Liga zu Teilen auch genau darauf ausgelegt, den durch die Pandemie geschwächten Vereinen aus ihrem kritischen Zustand zu helfen. Doch dabei ließ Perez gekonnt unbeachtet, dass sein neues Konzept nur 12-20 aller europäischen Teams aus der finanziellen Not retten würde.

Um verstehen zu können, wie genau diese Hilfe gedacht war und warum sie schließlich solch eine Lawine an Protesten und Konflikten auslöste, ist es wichtig, sich über die Ausgangslage der öffentlichen Bekanntmachung der „European Super League“ im Klaren zu sein:

Mit dem Beginn der Pandemie erstarrte das öffentliche Leben und so auch die Haupteinnahmequellen der Top-Ligen, da keine Fans mehr in die Stadien durften. Nach längerem Bemühen wurde es den Vereinen zwar möglich gemacht, sowohl in nationalen als auch internationalen Wettbewerben wieder gegeneinander anzutreten, jedoch konnten die steigenden TV Einnahmen nicht den Verlust der jeweils bis zu 80.000 verkauften Karten pro Spieltag decken. Das hatte zur Folge, dass, noch bevor der Ball wieder zu rollen begann, einige Vereine ein SOS Signal absetzten, weil sie am Rande der Insolvenz standen. Darunter befanden sich besonders viele deutsche Vereine, denen es aufgrund einer speziellen Regel nicht möglich war, den Verein an einen festen Inhaber zu verkaufen. Klubs wie Manchester City, oder Paris Saint-Germain hatten dagegen weniger mit der Situation zu kämpfen, da sie durch die großzügigen Spenden der klubeigenen Investoren aus Katar und Saudi-Arabien aufgefangen wurden.

Ironischerweise enthielt die „rettenden“ Super League nun bedeutend wenig Vereine ohne festen Besitzer. So werden von den ehemaligen 12 Gründervereinen der Liga nur Real Madrid und der FC Barcelona von keinem festen Investor besessen. Die restlichen Vereine (Atlético Madrid; AC Mailand; Inter Mailand; Juventus Turin; FC Liverpool; FC Chelsea; FC Arsenal; Tottenham Hotspur; Manchester United; Manchester City) werden dagegen von einem festen internationalen Konzern gestützt. Diese Teams wollten nun zusammen mit dem FC Bayern München, Borussia Dortmund und Paris-Saint Germain (Diese sollten ebenfalls zu Gründervereinen der Liga werden), sowie 5 jährlich wechselnden Vereinen, die neue Eliteliga gründen.

Die Motivation der Vereine, an solch einem Wettbewerb teilzunehmen, kam dabei natürlich auch nicht von irgendwo. Zwar wiesen Befürworter der „European Super League“ immer wieder auf die Menge der dadurch entstehenden Top-Spiele und die dadurch neu gewonnene Spannung im europäischen Fußball hin, jedoch versuchten sie durch diese Aussagen nur das zu verstecken, was eigentlich im Blickfeld der Vereine und der Veranstalter stand: Das Geld. Die amerikanische Bank „JPMorgan Chase“ versprach der „Super League“ ein Startkapital von 3,5 Milliarden Euro, von dem auch die Teilnehmenden Mannschaften ordentlich profitieren sollten. So winkte jeder der 12 Mannschaften eine einmalige finanzielle Unterstützung von 350 Millionen Euro, welche die Vereine in der Corona-Krise wieder in ein finanzielles Gleichgewicht bringen sollte. Dabei wird jedoch vermutet, dass das Konzept in dieser Art auch schon vor der Pandemie aufgestellt wurde. Die Corona-Krise war somit einfach nur ein hilfreiches Argument, um der Außenwelt erklären zu können, warum gerade diese Mannschaften noch mehr Geld erhalten sollten. Mit den 350 Millionen Euro im Gepäck und vielen neuen Spielern sollte dann schließlich auch der eigentliche Wettbewerb starten. Dieser bestand aus einer Gruppenphase mit anschließendem Viertel- und Halbfinale und einem großen Endspiel. Auch hier sollten die Gründervereine Sonderregelungen genießen, da sie niemals aus der Liga absteigen könnten. Nur die 5 weiteren Teams müssten eine erneute Qualifikationsphase durchlaufen, um erneut an der Liga teilzunehmen, während die 15 anderen Mannschaften unabhängig von ihrer Platzierung ewig im Wettbewerb bleiben würden.

Spätestens an dieser Stelle wurde ein Problem sichtbar, wegen dem schließlich tausende Fans auf die Straße gingen. Der Unterschied zwischen den Top Vereinen und ihren nationalen Konkurrenten, würde erneut um einiges vergrößert werden. Das zeigt sich beispielsweise sehr gut am FC Bayern München: Schon jetzt haben die Münchener ein klares Übergewicht in der Bundesliga und gewinnen die Meisterschaft Jahr für Jahr ohne größere Probleme. Würde der Verein nun jedoch auch noch unter der Woche an der „European Super League“ teilnehmen, dort die 350 Millionen Euro Startkapital einkassieren und darüber hinaus durch die hohen Einschaltquoten auch noch einiges an TV Geldern erhalten, würden sich die Münchener leistungstechnisch noch stärker von den anderen Klubs der Bundesliga unterscheiden, wodurch jegliche Spannung im Kampf um die Meisterschaft erstarren würde. Weniger Spannung, bedeutet weniger Zuschauer, die sich die Spiele weiterhin anschauen, und weniger Zuschauer bedeuten weniger Einnahmen für die Vereine, die nicht an der „European Super League“ teilnehmen. So würden die nationalen Ligen Stück für Stück aussterben, bis schließlich nur noch die 15 Gründervereine finanziell in der Lage wären, die Kosten ihrer Spieler zu decken.

Die Proteste der Fans wären im Hinblick auf die winkenden Geldsummen für die Vereine sicherlich einfach zu ignorieren gewesen, jedoch hatten die Veranstalter der Super League noch einen weiteren entscheidenden Gegenspieler, den sie wohl etwas unterschätzt hatten: Die UEFA (Veranstalter von Champions- und Europa League). Diese musste nun nämlich um ihre Top Mannschaften bangen, deren Verlust auch einen großen finanziellen Nachteil mit sich bringen würde. Sofort fuhr der Vorsitzende der „Union of European Football Associations (UEFA)“ Alexander Ceferin all seine Geschütze auf, um den größtmöglichen Druck auf die 12 Verfasser des Statements auszuüben. So wurde allen Vereinen mit einem sofortigen Ausschluss aus der Europa und Champions League gedroht, auch, wenn sich einige von diesen noch im laufenden Wettbewerb befanden. Jedoch sollten nicht nur die Vereine, sondern auch die Spieler der Vereine bestraft werden, indem ihnen in Zukunft die Teilnahme an der Europameisterschaft mit ihrem Nationalteam untersagt werden würde.

Die Drohungen zeigten schnell ihre Wirkung. Zuerst sprachen sich der FC Bayern München, Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain, deren Statement zur Teilnahme an der „European Super League“ bis zu diesem Zeitpunkt noch ausstanden, klar gegen den Wettbewerb aus, woraufhin ein Verein nach dem anderen (den Startschuss gab dabei Manchester City) seine Teilnahme zurückzog. 2 Tage nach der großen Veröffentlichung des neuen Projekts, schien die Liga somit schon gescheitert.

Warum die Gründervereine, den auch bei einem Ausschluss aus der Champions- und Europa League durch die Teilnahme an der „Super League“ ein finanzieller Vorteil gewunken hätte, plötzlich so schnell einknickten, wurde erst einige Tage später klar, als sich die Aufregung schon wieder etwas gelegt hatte. Denn während die Fans auf der Straße gegen das neue Projekt protestierten beschloss die UEFA, ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen, eine neue Reform ihrer internationalen Wettbewerbe, die unter anderem ebenfalls darauf abzielte, dass Top Klubs auch in einer eher schwächeren Saison nicht mit einem finanziellen Nachteil zu rechnen hätten. Gerüchten zufolge, soll für dieses Projekt auch schon ein Sponsor gefunden sein, der sogar 9 Milliarden Euro zu dem neu geformten Wettbewerb beitragen würde, wovon sicherlich auch die 12 Gründerklubs der gescheiterten „Super League“ stark profitieren würden.

Die Folgen, welche die „Super League“ und die neue Champions League mit sich ziehen, sind so auf längere Zeit gesehen ziemlich gleich. Die stärkeren Vereine verdienen mehr und mehr Geld, wodurch sie sich noch stärker von ihrer nationalen Konkurrenz abheben. Das führt dazu, dass die Spannung in den nationalen Ligen immer weiter sinkt. Mit der Zeit können „kleinere“ Vereine ihre Spieler nicht mehr halten, wodurch es ihnen noch weniger möglich wird, mit den großen Klubs mitzuhalten. Es bildet sich ein Monopol aus einigen Mannschaften, die den Kampf um die Meisterschaft und die Champions League jedes Jahr aufs Neue nur noch unter sich austragen. So bildet sich auf ganz „natürlichem Wege“ eine Super League, deren Entwicklung jedoch keinen starken Gegenspieler mehr hat, da sie mit der UEFA den mächtigsten Verband des Fußballs hinter sich hat.

Die „European Super League“ hat es der UEFA also ermöglicht, ihre stark umstrittenen Pläne durchzusetzen und sich dabei noch als den großen Beschützer des Fußballs darzustellen. Und so gewinnt am Ende einer Woche voller Schlagzeilen, Drohungen und Protesten letztendlich doch das Geld gegen Fairness und Tradition.

Von Mathis Glöckner