Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Corona-Situation in Afrika, Asien, Ozeanien und Südamerika

Afrika

Da es sich bei allen Staaten in Afrika um Entwicklungsländer handelt, sind alle Aussagen, die auf Zahlen und Fakten basieren relativ vage. Das kommt daher, dass oft das Geld und staatliche Strukturen für Covid-Tests fehlen und daher eine Vielzahl an Fällen überhaupt nicht registriert werden. Selber bei den Todesfällen stimmen die Zahlen nur ungefähr, da oft nicht obduziert wird und die tatsächlichen Todesursachen gar nicht festgestellt wird.

 Die Befürchtungen, Afrika würde durch die Coronavirus-Pandemie weiter zurückgeworfen werden, aufgrund von kollabierenden Gesundheitssystemen und einer als rasant prognostizierten Ausbreitung, waren sehr stark. Auf dem Papier sind es bisher rund drei Millionen Infektionen und trotz einer Dunkelziffer, die sehr hoch sein dürfte, ist die Sterberate rund 40-mal so gering, wie in Europa. Was also hat in Afrika dafür gesorgt, dass dieser Kontinent, der aufgrund seiner mangelnden Infrastruktur wenig Hoffnung auf ein gutes Pandemie-Management, wie wir es in Europa haben könnten, hat, dass man im ganzen Kontinent weniger Todesfälle hat, als in Deutschland? 

Laut Matshidiso Moeti, Regionaldirektorin der WHO für Afrika, liege es vor allem an dem Alter der Menschen in Afrika, nur rund drei Prozent der Bevölkerung seien über 65 Jahre alt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es in etwa 18 Prozent. Da ältere Menschen stärker ausgeprägte Symptome zeigen und daher auch eine viel höhere Sterberate haben macht das wahrscheinlich den größten Unterschied aus. Auch die Lebensart spielt eine große Rolle: Große Teile der Bevölkerung verbringen weite Teile ihres Lebens im Freien, wo sich der Virus viel langsamer ausbreitet. Dazu passt auch, dass die Menschen in Afrika weniger vernetzt und mobil sind, was auch einer langsameren Verbreitung zuträglich ist.

Ein weiterer entscheidender Faktor kann das Immunsystem sein. Da es in Afrika viele Erkrankungen durch Masern, Durchfallviren, Malaria oder Parasiten gibt, sind viele Immunsysteme potenziell weiter entwickelt. Dies ist aber noch nicht weit genug erforscht, um eindeutige Zusammenhänge benennen zu können. Es wird gehofft, durch die Forschungsergebnisse die Impfstoff-Entwicklung und -Verbesserung, weiter voran zu bringen. 

Die sogenannte Südafrika-Mutation des Coronavirus (501.V2), von der die Regierung Südafrikas das erste Mal am 18.12 berichtete, lässt allerdings eine Veränderung der jetzigen Situation vermuten. Nach ersten Erkenntnissen ist diese Variante des Virus ansteckender, daher erhöht sich auch die statistische Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit es bei einer vergleichsweise geringen Anzahl an Todesfällen bleiben wird.

Der Umgang mit den bevorstehenden Corona-Impfungen stellt viele Regierungen Afrikas vor große logistische Probleme: Es gibt vielerorts keine flächendeckende Stromversorgung, um den Impfstoff angemessen zu kühlen. Und auch, wenn einige Staaten durchaus Erfahrung mit dem Umgang mit großen Impfkampagnen haben (Beispielsweise für Polio) gibt es teilweise große Probleme mit den Transportwegen. Und selbst in den Ländern, wo die Logistik ausreichend vorhanden ist, wurde noch kein Impfstoff bestellt, da er bislang schlichtweg zu teuer ist. Bisher haben lediglich Ägypten und Kenia Impfstoff bestellt. Gesundheitsorganisationen und Regierungen fordern daher, dass der Patentschutz für die Impfstoffe in Teilen aufgehoben wird, damit Afrika beim Thema Impfen nicht abgehängt wird.

Abschließend kann man sagen, dass Afrika trotz einer hohen Dunkelziffer immer noch relativ wenige Infektionen und eine sehr geringe Sterberate vorzuweisen hat. Als europäische Bürger können wir daraus lernen, indem wir erkennen, was in Afrika besser funktioniert, als in Europa: weniger Reisen, weniger Kontakt mit haushaltsfremden Personen und besonderen Fokus auf den Schutz alter Menschen. 

Asien

In Asien haben wir strukturell ein etwas anderes Bild als in Afrika. Neben Entwicklungsländern, wie z. B. Indien oder Pakistan, gibt es auch Transformationsländer, wie z. B. Vietnam, Laos oder Kambodscha, und Industrieländer, wie z. B. VR China, Japan oder Südkorea. Die staatlichen Strukturen (wie etwa Gesundheitsämter) und auch die Ressourcen (Schutzkleidung, Masken, aber auch Impfstoff) variieren demnach sehr von Land zu Land. 

Die Situation mit dem Coronavirus in Asien hat zwei Gesichter. Einerseits kann das Pandemie-Management einiger Länder als Vorbild gesehen werden, andererseits nutzen Regime wie die Volksrepublik China die Situation, um Notstandsgesetze im Namen der Pandemie zu beschließen, die massiv die Freiheit der Menschen, die in diesen Staaten leben, einschränken. Auch aus anderen Staaten, wie Nepal, Kambodscha, Thailand, Sri Lanka und Vietnam, kommen Berichte über Verfolgungen von einzelnen Bevölkerungsgruppen, indem diese zu unverhältnismäßig hohen Strafen verurteilt werden. Oft wird das Verbreiten von angeblich falschen Informationen als Grund angegeben.

Süd-Korea wiederum ist ein Staat, dem man lange die Rolle des Vorbilds im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Coronavirus zuschrieb. Bessere Infrastruktur im Bezug auf Krankenhäuser, schärfere Einreiseregeln, mehr Ressourcen, wenn es um Masken, Schutzkleidung, sowie Tests geht, mehr Personal in Behörden, die sich mit der Rückverfolgung von Infektionsketten beschäftigen. All das führte dazu, dass es lange Zeit eine sehr geringe Anzahl an Fällen gab. Mittlerweile allerdings hat auch Südkorea mit einer dritten Welle zu kämpfen, die für hohe Infektionszahlen und strenge Maßnahmen sorgt. 

Ein weiterer Aspekt, der in vielen Ländern ausschlaggebend ist, ist die Staatsform einiger Länder. In einer Diktatur kann man viele Gesetze und Restriktionen schneller und leichter beschließen. Auch Apps, die bei der Rückverfolgung von Infektionsketten helfen, sind um einiges effektiver in Staaten, in denen nicht so viel Rücksicht auf Datenschutz genommen wird.

Auch kulturelle Aspekte sind entscheidend für eine langsamere Virus-Ausbreitung, als beispielsweise in Europa. In einigen Staaten in Asien (zum Beispiel in China) ist es sehr verpönt sich mit Infektionskrankheiten anzustecken. Daher war es schon vor der Corona-Pandemie oft üblich, an öffentlichen Plätzen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln Masken zu tragen, um jeglichen Ansteckungen aus dem Weg zu gehen. Auch beispielsweise Lautes Reden in Zügen gilt als äußerst unhöflich. Daher wird dort meistens geschwiegen und so verbreiten sich auch weniger Aerosole.

Auch in Japan wurde am 08.01.2021 eine weitere Mutation des Corona-Virus vermeldet. Noch gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass die japanische Mutation ansteckender ist, allerdings gibt es wohl gewisse Ähnlichkeiten zu den Mutationen in Großbritannien und Südafrika. 

Mit den Corona-Impfungen geht es auch in den reichen Industriestaaten in Asien voran. China, die auch schon ein eigenes Vakzin hergestellt und zugelassen hat, hat z. B. etwa 100 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs des deutschen Pharma-Unternehmens Biontech und ihrem amerikanischen Partner Pfizer bestellt. Indien hat nun mit der weltweit größten Impfkampagne begonnen. 300 Millionen Menschen sollen mit den Impfstoffen Astrazeneca der Oxford University und einem unbekannten Impfstoff des indischen Unternehmens Bharat Biotech geimpft werden. Andere, ärmere Staaten haben wiederum das Problem sich die teuren Impfstoffe nicht leisten zu können und haben teilweise noch gar keinen Impfstoff bestellt.

Insgesamt kann man die Lage in Asien als sehr kontrastreich beschreiben: Einige Länder kommen gut durch die Pandemie, haben wenige Fälle und gute Strategien, andere versinken mit tausenden von Fällen im Chaos. Über manche Staaten gibt es kaum verlässliche Daten, da deren Regierungen alles verschwiegen, was sie schlecht darstellen lassen könnte. Länder wie Japan oder Südkorea können als Vorbild dienen, während Indien und Pakistan beispielsweise aufgrund von schlechter Infrastruktur unglaublich hohe Zahlen haben. Trotzdem, die Coronavirus-Pandemie beherrsch auch in Asien das Leben der Menschen.

Ozeanien

Wenn man sich die Lage der Coronavirus-Pandemie in Ozeanien anguckt, kann man schnell zu dem Schluss kommen, dass wohl kein anderer Kontinent so gute geographische Voraussetzungen hat, wie dieser. Da es sich ausschließlich um Inselstaaten handelt haben die Regierungen eine gute Möglichkeit, durch eine Abriegelung Infektionen durch Reisende oder Durchreisende zu verhindern.

Insgesamt kann man auch sagen, dass sich die Fallzahlen bisher in dem meisten Staaten sehr gering abzeichnen. Viele Inseln sind noch gar nicht betroffen, die Region Mikronesien vermeldete Anfang Januar ihren ersten Fall. Neuseeland gilt als glänzendes Beispiel im Kampf gegen das Virus, mit nur etwas mehr als 2000 Fällen, ist man durch harte Beschränkungen schon seit Monaten bei sehr geringen Zahlen, zwischenzeitlich hatte man sich schon zwei mal als Corona-frei erklärt. Mittlerweile hat auch Neuseeland wieder 85 aktive Fälle, die aber durch gute Aufklärung der Infektionsketten und einen kurzen, harten Lockdown wieder in den Griff bekommen werde können. 

In Australien zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Der Staat ist nach außen komplett abgeriegelt und man hat im Vergleich zu Europa verschwindend geringe Zahlen. Trotz eines erneuten Anstiegs der Zahlen, hat man bisher eine 7-Tage-Inzidenz von gerade einmal 0,4. 2021 soll es in Australien auch immer noch erhebliche Grenzbeschränkungen geben, so teilte es Brendan Murphy, der Chefmediziner der australischen Regierung mit. 

Durch ihre einzigartige Lage im Pazifik könne sich die Staaten Ozeaniens zu weiten teilen erlauben, noch oder schon wieder unter normalen Umständen zu leben. 

Südamerika

Am Anfang der Corona-Krise waren die Fallzahlen in Südamerika sehr gering und man schaute mit Schrecken auf die Corona-Krise in Europa. Das änderte sich aber schon bald. Einige Politiker, zum Beispiel der Präsident von Brasilien, Jair Bolsonaro, spielten das Coronavirus zu einer harmlosen Grippe herunter und nahmen es nicht ernst. Deswegen wurde auch keine Quarantäne ausgerufen. Jetzt hat Brasilien schon über 8,4 Millionen Gesamtfälle und ist damit auf Platz drei weltweit. Viele Menschen protestieren gegen Präsident Bolsonaro, da er in der Vergangenheit nichts gegen die Corona-Krise unternommen hat und auch jetzt zu wenig tut. Viele Menschen erhoffen sich von einer Amtsenthebung, dass das Coronavirus unter Kontrolle gebracht werden könnte. 

Allerdings ist die Politik nicht das einzige Problem. In Peru zum Beispiel wurde schon sehr früh eine landesweite Quarantäne verhängt. Doch trotzdem explodierten die Corona-Fallzahlen, da sich viele Menschen einen Lockdown nicht leisten konnten. Dies konnten sie nicht, da sie einfach zu schlecht bezahlt wurden und die meisten Menschen sowieso arm sind. Jetzt hat sich die Lage in Peru durchaus gebessert und die täglichen Fallzahlen sind stark gesunken.

Außerdem sind schon im Sommer letzten Jahres viele Gesundheitssysteme zusammengebrochen und überlastet gewesen. In Südamerika sind Ein- und Ausreisebeschränkungen verhängt worden. In Argentinien, Chile und Kolumbien sind die Fallzahlen nur minimal gesunken.

Der neue in Brasilien entwickelte Impfstoff wurde bis jetzt noch nicht eingesetzt, da es  lange, weder für diesen noch für einen anderen Impfstoff, eine Zulassung gab. Erst am 18.01. wurden schließlich die Impfstoffe der Firmen Sinovac und Astrazeneca zugelassen. Zudem bezweifelt Bolsonaro die Wirksamkeit des Impfstoffes, da dieser von einem brasilianischen zusammen mit einem chinesischem Pharmaunternehmen produziert und entwickelt wurde und der Präsident eine china-feindliche Politik führt.

Ebenso wie Europa ist auch Südamerika sehr stark von der Coronavirus-Pandemie  betroffen. Es gibt ähnliche Probleme, durch zu wenig und zu schwache Restriktionen oder  durch ein schlechtes Pandemie-Management einiger Politiker. 

Von Samuel Köhler und Oskar Meier