Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

Börsenlexikon Teil I: A-M

A

Aktie

Ein Unternehmen kann, wenn es an die Börse geht, Teile seines Unternehmens in Form von Aktien an Investoren und Privatanleger verkaufen. Der Besitzer einer Aktie hat das Recht, an der Hauptversammlung teilzunehmen, um so bei Entscheidungen des Unternehmens mitzubestimmen und durch die Dividende am Gewinn beteiligt zu werden. In der Bilanz des Unternehmens werden die durch den Verkauf der Aktien eingenommenen Mittel als Eigenkapital aufgelistet. 

Anleihen

Anders als Aktien sind Anleihen eine Möglichkeit für Unternehmen Fremdkapital einzutreiben, ohne dass die Eigentümer der Anleihen ein Mitbestimmungsrecht erhalten oder am Gewinn beteiligt werden. Dabei leiht sich das Unternehmen zu einem festen Zinssatz Geld bei Investoren, welches nach einem bestimmten Zeitraum in voller Höhe zurückgezahlt werden muss. Die Ausgabe einer Anleihe/Aktie wird als Emission bezeichnet. Nicht nur Unternehmen können auf diese Weise Geld an der Börse eintreiben, sondern auch Staaten in Form von Staatsanleihen. Die Höhe des Zinssatzes richtet sich nach der Bonität (s.u.) des Unternehmens/ des Staates.

Asset-Allocation

Mit der Asset-Allocation wird die Vermögensaufteilung in einem Portfolio beschrieben, wobei zwischen verschiedenen Vermögensklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffen usw. unterschieden wird. Ziel der Asset-Allocation ist die Optimierung von Risiko und Rendite, wobei jeder Anleger seine eigenen Vorstellungen davon hat, welches Risiko er eingehen möchte und welche Gewinne er erwartet. 

B

Bilanz

Die Bilanz eines Unternehmens ist Teil des Jahresabschlusses und stellt Vermögensbestandteile eines Unternehmens gegenüber. Neben einer Gewinn- und Verlustrechnung listet die Bilanz auch die Aktiva und Passiva auf, also Vermögenswerte und Schulden. Die Differenz dieser wird als Bilanzsumme beschrieben. Jede Kapitalgesellschaft (also GmbH, AG und UG) ist dazu verpflichtet, seine jährliche Bilanz zu erstellen und im Bundesanzeiger zu veröffentlichen.

Bonität

Die Bonität gibt in verschiedenen Klassen (z.B.: AAA / AA+ / AA / AA-/ …. /D) an, wie vom Markt die Kreditwürdigkeit des Unternehmens/des Staates eingeschätzt wird. Dazu erstellen Rating-Agenturen (wie S&P oder Moodys) permanent entsprechende Ranglisten. Kauft man zum Beispiel vom Staat Venezuela eine Staatsanleihe (von S&P wird die Sicherheit auf B+, schwache finanzielle Sicherheit, eingeschätzt) kann man einen wesentlich höheren Zinssatz erwarten, als bei Deutschland (AAA), allerdings ist das Verlustrisiko wesentlich höher. 

Börse

Die Börse ist der Markt, an dem Aktien, Anleihen und Devisen gehandelt werden. Dabei bestimmen Börsenmakler mit Hilfe von Angebot und Nachfrage die Kurse, also Preise einzelner Wertpapiere. Mittlerweile laufen die meisten Prozesse digital ab, sodass es neben großen lokalen Börsen wie in Frankfurt oder New York heute auch rein digitale Börsen wie XETRA gibt. 

Buchwert

Der Buchwert gibt die Vermögens- und Schuldteile eines Unternehmens an, bewertet anhand der Anschaffungs-/ Herstellungskosten (die Summe des Wertes von Gebäuden, Maschinen, Patenten, etc.). Dabei werden eventuelle Wertminderungen der Besitztümer berücksichtigt, sowie eine mögliche Wertzunahme. 

C

Cash-Flow

Der Cash-Flow ist eine Bilanzkennzahl, die den Geldzufluss beziehungsweise Geldabfluss eines Unternehmens ermittelt. Dabei wird der Cashflow durch die Differenz zwischen Einzahlungen und Auszahlungen von liquiden Mittel berechnet und hat im Gegensatz zum Gewinn den Vorteil, dass er die tatsächliche Ertragskraft eines Unternehmens angibt. Ist der Cashflow positiv, waren die Einnahmen höher als die Ausgaben und es stehen dem Unternehmen liquide Mittel, also Geld, zur Verfügung, um Investitionen zu tätigen oder Schulden abzubezahlen. Ein negativer Cashflow bezeichnet das Gegenteil: also ein Defizit. 

D

DAX

Der Deutsche Aktien Index (DAX) ist der Deutsche Leitindex und bildet die 30 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ab (z.B.: SAP, Adidas, Bayer, Telekom, VW). Er wird auch als erste Liga der Indizes bezeichnet und deutet häufig an, wie es der deutschen Wirtschaft geht. Die Entwicklung wird in Punkten angegeben, wobei diese Kennziffer nahezu willkürlich gewählt wurde, indem bei der Gründung eine Marke von 1.000 festgelegt worden ist. 

Diversifikation

Die Diversifikation ist ein Instrument für Anleger und Investoren, das es ermöglicht, ihr Risiko zu zu verteilen. Am Aktienmarkt bedeutet dies, dass man Aktien und Anleihen von verschiedenen Unternehmen, aus verschiedenen Ländern und aus nicht voneinander abhängigen Branchen kauft. So wird das Risiko gesenkt, hohe Verluste zu machen, wenn es einem Unternehmen oder eine Branche schlecht geht.

Dividende

Jeder Aktienbesitzer ist auch Anteilseigner eines Unternehmens und muss daher am Gewinn beteiligt werden (außer ein Beschluss der Hauptversammlung setzt die Dividende aus). Dies geschieht über die sogenannte Dividende, welche eine Gewinnausschüttung an die Aktionäre ist. Die Frage ob und wie viel Dividende ausgeschüttet wird, hängt dabei von jedem Unternehmen selbst ab. Eine Kennzahl, mit der sich ein Unternehmen bewerten lässt, ist die Dividendenrendite, welche das Verhältnis zwischen ausgeschütteter Dividende und Aktienkurs angibt. Es gibt die sogenannten „Dividend-Aristocrats“, Unternehmen, die dafür bekannt sind, sehr viel Dividende über einen langen Zeitraum auszuzahlen, z.B. Exxon Mobile (7,83%), 

AT&T (7,14%), Allianz (5,16%), Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktie (4,47).

E

EBIT

Das EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Gewinn eines Unternehmens angibt, unabhängig von äußeren Einflüssen wie Steuern und Zinsen. Da besonders Steuern von einem Land zum anderen stark variieren, ist das EBIT eine gute Möglichkeit, Unternehmen mit internationalen Konkurrenten zu vergleichen. Außerdem vermittelt diese Kennzahl einen Eindruck davon, wie wirtschaftlich ein Unternehmen handelt, also welcher Anteil des Umsatzes tatsächlicher Gewinn ist.

ETF

Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen bestimmten Index automatisiert nachbildet und dadurch im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds sehr geringe Kosten aufweist. Zusätzlich hat man mit einem ETF die Möglichkeit, mit geringen Beträgen in einen breiten Markt zu investieren, da man mit einem Fondsanteil indirekt sehr geringe Aktienanteile von verschiedensten Unternehmen gleichzeitig in sein Portfolio bringt. Bekannte ETF´s bilden bspw. den MSCI World oder auch den DAX nach.

F

Free Float

Als Free Float wird der Teil der Aktien bezeichnet, der nicht in den Händen von einem Staat / einem Bundesland, von Großaktionären oder Kapitalgebern, sondern zum Handel für Kleinanleger verfügbar ist. Ein Beispiel für einen geringen Free Float ist Hapag-Lloyd, die Hamburger Reederei, mit nur 4% Aktien für Kleinanleger, oder VW, dort hält Porsche Automobil Holding SE etwa 53% der Aktien und das Land Niedersachsen 20%. Ein Beispiel für Staatsbeteiligung ist Airbus, dort hält der Staat Frankreich gut 10% der Aktien.

H

Hebel

Hebel gibt den Multiplikator an, in welchem Verhältnis sich der Basiswert (Wert der Aktie) des Optionsscheins (s.u.) zum Kurs verändert. Als Beispiel: Ein Anleger kauft 100 Aktien eines Unternehmens und kauft sich die „Optionen“, in einem Jahr für je 12€ nochmal 100 Aktien zu kaufen. Für diese Optionen zahlt er 1,50€ pro Aktie sprich 150€. Diese Optionen haben nun einen Hebel von 10, denn wenn der Aktienkurs um 10% steigt erzielt er die 120€, die seine Optionsscheine wert sind, mit dem Anstieg des Kurses ist sein Hebel aber 100% Wert und er kann für 150€ verkaufen.  

Hedgefonds

Ein Hedgefonds ist ein Investmentfonds, dessen Anlagestrategie darauf abzielt, nicht nur bei steigenden Börsenkursen, sondern auch bei fallenden Kursen Gewinne zu erwirtschaften. Letzteres ist möglich mit Leerverkäufen (s.u.), Put-Optionen (s.u.) oder Put-Zertifikaten (s.u.). Alle drei Möglichkeiten sind Wetten auf fallende Kurse bei Aktien, Indizes oder Währungen. Oft manipulieren Hedgefonds einen Kursverlauf durch Streuen von ungünstigen Meldungen in der Presse, oder durch eigene Nachforschungen über Firmengeschäfte. Das Verlustrisiko ist unbegrenzt, da ein Hedgefonds mit geliehen Aktien arbeitet und diese auch dann zurückkaufen muss, wenn der Kurs bspw. um 1000% angestiegen ist. 

(nähere Erläuterung unter „Leerverkäufe“)

Hochfrequenzhandel (HFT)

Beim Hochfrequenzhandel werden mit Hilfe von Computern, speziellen Programmen und mathematischen Formeln Aktien im Bruchteil von Sekunden gekauft und verkauft. Die Idee ist es, Aktien für einen minimalen Gewinn wieder zu verkaufen. Macht man das mit sehr vielen Aktien und sehr oft, ist der Gewinn groß. Inzwischen werden große Teile des Aktienhandels so betrieben. Die Gefahr ist, dass so unerklärliche Börsencrashs entstehen können, weil nur sehr wenige Leute die Algorithmen kennen. 

Hype-Zyklus

Man spricht von einem Hype-Zyklus, wenn eine neue Erfindung oder Technologie sehr gefeiert wird, dadurch ein Hype (»überbewerteter Aktienkurs«) entsteht, sich dann aber herausstellt, dass das Produkt vom Umsatz hinter den Erwartungen zurückbleibt. Obwohl es vorkommt, dass das Produkt nach einer gewissen Zeit doch noch auf das erwartete Niveau kommt, erreicht der Aktienkurs dann selten wieder das alte Hoch. Ein Beispiel dafür ist die Aktie von GoPro. 

I

Investmentbank

Eine Bank die mit Wertpapieren wie Aktien und Anleihen handelt und verschiedene andere Investment-Instrumente anbietet.

Investmentfonds

Wenn man nicht direkt in einzelne Aktien investieren will, kann man Anteile an einem Fonds erwerben, der ein Portfolio aktiv managed und einem durch den Kauf von Aktien aus verschiedenen Branchen und Ländern eine attraktive Rendite, aber ein möglichst geringes Risiko bieten will.  Dafür zahlt man eine Anfangsgebühr (»Ausgabeaufschlag«) und laufende Verwaltungsgebühren, von bis zu 5% einmalig und 2% jährlich. Es gibt auch spezialisierte Fonds (z.B. nur Rohstoffaktien) bei denen das Risiko entsprechend höher ist. 

IPO

IPO steht für initial public offering und steht für den Börsengang eines Unternehmens. Dabei wird der Unternehmenswert anteilig in Aktien umgewandelt, die man dann als Anteile erwerben kann. Für die Firma bedeutet das vor allem Kapitalbeschaffung. Der Anteilseigner erwirbt das Recht auf Dividende (eine regelmäßige Auszahlung von Gewinnbeteiligungen, gemessen an der Aktienanzahl), die vor allem bei jüngeren Firmen aber ausgesetzt werden kann. 

K

Kernkapital

Am Umfang des Kernkapitals lässt sich die Stärke einer Bank feststellen. Es bemisst die Reserven, die eine Bank hat, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, wenn sie in schlechte Zeiten kommen sollte.

KBV

Mit dem Kurs-Buchwert-Verhältnis kann man die Börsenbewertung eines Unternehmens beurteilen. Für die Berechnung wird der Kurs durch den Buchwert (s.o.) geteilt. In den meisten Fällen ist das KBV größer als eins. Je größer, desto besser wird die Firma vom Markt eingeschätzt, aber gleichzeitig kann ein hohes KBV auch Indiz für eine Überbewertung sein. Ist das KBV unter eins, ist die Aktie vergleichsweise günstig, es kann gleichzeitig aber auch heißen, dass eine Firma stagniert und keine neue Investitionen tätigt.  

KCV

Beim KCV werden der Kurs und der Cashflow (s.o.) pro Aktie ins Verhältnis gesetzt. Dabei wird berechnet, wie sich die laufenden Einnahmen der Firma zum Kurs verhalten. Hier gilt, je kleiner der KCV ist, desto vergleichsweise günstiger ist die einzelne Aktie. Man wird aber häufiger auf KCVs deutlich > 1 treffen.  

KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt an, wie teuer eine Aktie im Vergleich zu ihrem Jahresgewinn wirklich ist. Dabei wird berechnet, wie viel Reingewinn das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet hat (Kurs der Aktie geteilt durch Gewinn/pro Aktie). Am KGV kann man abschätzen, ob einen Aktie über- oder unterbewertet ist. Es gilt als Faustregel: KGV < 10 ⟶ günstig ; KGV zwischen 10 und 20 ⟶ fair bewertet ; KGV > 20 ⟶ teuer ; KGV > 40 ⟶ stark überbewertet. Tesla bspw. hat ein KGV von 14392,16 also mehr als stark überbewertet. Deswegen spaltet die Aktie Marktanalysten, die einen sehen die Zukunftsaussichten als Weltmarktführer eingepreist, die anderen sehen einen großen Crash kommen. 

KUV

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis setzt den aktuellen Preis einer Aktie in Relation zum Umsatz des Unternehmens pro Aktie. Bei jungen Unternehmen stehen diese beiden Werte oft in einem Missverhältnis, weil der Umsatz noch recht klein ist. Umgekehrt ist es so, dass Unternehmen, die noch keinen Gewinn machen, aber durch stark steigenden Umsatz den Kurs der Aktie antreiben. Je niedriger das KUV ist, desto günstiger ist die Aktie

Für KBV, KCV, KGV und KUV gilt, dass sie nicht isoliert betrachtet werden dürfen, um die Werthaltigkeit einer Aktie zu beurteilen.

L

Leerverkauf 

Beim Leerverkauf leiht sich ein Investor/Spekulant bei jemandem Aktien, die er ihm nach einem bestimmten Zeitraum zurückgeben muss. Für das Leihgeschäft bekommt derjenige, der die Aktien ausleiht, eine Leihgebühr, durch die er zusätzlich Geld verdienen kann. Die geliehenen Aktien verkauft der Leerverkäufer üblicherweise direkt und spekuliert darauf, dass der Kurs der Aktie im abgesprochenen Zeitraum fallen wird und er die Aktien für einen niedrigeren Preis zurückkaufen und -geben kann.  

Beispiel: Person A leiht Person B 10 Nintendo-Aktien á 500€ für 2 Monate. Person B verkauft diese für 5000€. In den kommenden Wochen fällt der Kurs von Nintendo auf 300€ und Person B kauft 10 Aktien für 3000€, diese gibt er Person A zurück. Person B hat also 2000€ verdient, dadurch dass er auf einen fallenden Kurs spekuliert hat. 

Leitzins 

Der Leitzins wird von einer Zentralbank festgelegt und gibt an, mit welchem Zinssatz, die ihr unterstellten Banken Kreditgeschäfte machen dürfen. Bei der EZB (Europäischen Zentralbank) liegt der Leitzins im Moment bei 0% (Stand 31.01.21).

Long- und Shortposition 

Bei einer Longposition geht man davon aus, dass der Kurs einer Aktie steigt und hält sie deshalb im Depot. Wenn jemand aber »short geht« denkt er, dass der Kurs einer Aktie fällt. Davon  wollen Leerverkäufer (s.o.)  profitieren.

M

Marge

Die Marge gibt die Differenz zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis an. Sie gibt also an, wie viel Gewinn eine Firma mit einem Produkt macht.

Marktkapitalisierung

Als Marktkapitalisierung wird der Wert aller Aktien eines Unternehmens bezeichnet. Also der Preis, den man bezahlen müsste, um eine Firma beim aktuellen Marktpreis aufzukaufen. Hat ein Unternehmen 2 Millionen Aktien, die je 20€ wert sind, beträgt die Marktkapitalisierung 40 Millionen Euro. Dieser Wert schwankt so stark, wie der Wert der Aktien schwankt. 

Multiplikator 

Mit Hilfe des Multiplikators lässt sich errechnen, inwiefern der Umfang der Staatsausgaben sich positiv auf die Gesamtwirtschaft auswirkt. Dabei geht man davon aus, dass das Geld, welches investiert wird, immer wieder neu ausgeben wird. Ist der errechnete Multiplikator höher als 1, z.B. 1,5 bedeutet das, wenn der Staat 10 Millionen einspart, die Volkswirtschaft um 15 Millionen schrumpft.

Stine Bartram, Max Knopp