Politische Bildung ist das Fundament der Demokratie

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Atemberaubende Weiten und am Ende ein neuer Weltmeister – die Skiflug-WM in Planica

241, 223.5 , 240.5 und 231.5 Meter machten Karl Geiger in Planica, im Tal der Schanzen zum Skiflug-Weltmeister. 

Planica -im Nordwesten Sloweniens- sollte am 11. und 12. Dezember Schauplatz eines nervenaufreibenden Wettkampfes werden. Für die DSV-Adler traten Constantin Schmid, Pius Paschke, Karl Geiger und Markus Eisenbichler an. Letzterer findet sich seit Anfang des Skisprung-Weltcups in einem ständigen Kampf um Platz eins mit dem Norweger Halvor Egner Granerud, die beiden waren auch die großen Favoriten auf den Titel. Doch das Skifliegen hat seine eigenen Gesetze. Während man im Skispringen auf der größten Schanze der Welt – in Willingen – gut 150 Meter weit springen kann, geht es beim Skifliegen in etwa acht Sekunden bis zu 250 Meter weit – wenn alles stimmt. 

Das erste Ausrufezeichen des Wettkampfs setzte am Freitag Michael Hayböck aus dem Corona geschwächten österreichischen Team, mit dem niemand rechnete: Der hämmerte den Flug auf 245,5 Meter. Direkt nach ihm sprang der Titelverteidiger Daniel Andre Tande, der jedoch noch auf Formsuche ist, und direkt mit seinem ersten Sprung bestätigte, was sich angedeutet hatte – er würde wohl nicht seinen Titel verteidigen können. Es folgten noch einige Springer, bis Markus Eisenbichler und Karl Geiger dran sein würden. 

Dann passierte das, was Geiger im Nachhinein als „absolute Rakete“ bezeichnen würde. Der Oberstdorfer, der noch das letzte Springen pausiert hatte, flog im ersten Durchgang auf 240,5 Meter. Als letzter trat Granerud an. Würde der Norweger den Deutschen knacken können? Nein, denn trotz neun Windpunkten beendete er den Wettkampf mit 14,1 Punkten Rückstand auf den Führenden. Im zweiten Durchgang wollte es vor allem Markus Eisenbichler noch einmal wissen, der weit über die Hillsize (Punkt, an dem das Gefälle des Aufsprunghangs noch 32 Grad beträgt) auf 247 Meter segelte. Diese „Granate“ würde der weiteste Sprung des Tages sein, doch Karl Geiger konnte seine Führung gegen Eisenbichler und Granerud verteidigen. Die ersten vier waren nur 8,5 Punkten auseinander, während die Lücke zum Fünftplatzierten, dem fliegenden Schnäuzer Robert Johansson, doch wesentlich größter war. 

Der zweite Wettkampftag würde dem Ersten in nichts nachstehen. Doch ein wenig wurde der Wettkampf anfangs überschattet von den Meldungen aus dem slowenischen Team. Ein Sportler hatte den Trainer via Social Media kritisiert, war deshalb aus dem Team suspendiert worden und der Trainer war abgereist. Die Slowenen, die Skisprung-Nation schlechthin, hatten sich so auf diesen Wettkampf gefreut, und enttäuschten auf wie neben der Schanze. 

Es durchfuhr einen, als Geiger im dritten Durchgang etwas zu spät vom Schanzentisch absprang, gebannt schaute man, wie er aufstieg und trotz des minimalen Fehlers auf 240,5m flog. Ein lautes „YES“ durchfuhr das Tal in Planica, als Geiger unten ankam und mit 7,7 Punkten führte. Die große Führung hatte er auch einer nahezu perfekten Landung im Telemark zu verdanken.

Alles war bereitet für den vierten Durchgang, der Kampf um die ersten vier Ränge war völlig offen: Michael Hayböck, Markus Eisenbichler, Halvor Enger Granerud und Karl Geiger würden es unter sich ausmachen. 

Glücklicherweise spielte der Wind vor allem am zweiten Wettkampftag nicht die entscheidende Rolle, und so konnte das Fliegen fair zu Ende gebracht werden. Der Österreicher Hayböck konnte diesmal nicht zaubern und landete auf 220 Metern, konnte die Führung zu diesem Zeitpunkt aber trotzdem übernehmen. Der Druck für die Nachfolgenden war maximal groß, was würde der erste von beiden Deutschen in den Top 3 machen? Der Start des Fluges ließ es nicht vermuten, doch der Siegsdorfer Eisenbichler landete bei 230 Metern und konnte zumindest den dritten Rang verteidigen. Riesig war seine Freude schon kurz nach der Landung.  Was würde der Norweger tun? Er tat das, was man aus deutscher Sicht befürchtete – er sprang über seine persönliche Bestweite hinaus – auf 243 Meter. Die Haltungsnoten waren nicht optimal. Was würde Geiger dem entgegensetzen? Oben saß er, wartete auf das grüne Licht, das Abwinken seines Trainers, fuhr los, verließ mit 105 km/h den Schanzentisch und drückte sich in die Nacht von Planica hinaus. Er landet bei 231,5 Metern, denkbar knapp. Die Punktrichter ließen sich eine gefühlte Ewigkeit für ihre Wertung Zeit. Nervös warteten Granerud und Geiger auf die Wertung. Am unteren rechten Bildschirmrand fuhr ein blauer Balken hoch, der die 876,7 Punkte vom Norweger überschreiten musste. Und das tat er mit 0,5 Punkten Vorsprung! Karl Geiger sank auf seine Knie und konnte sein Glück nicht fassen. Der Norweger tat das Gleiche, doch vor Enttäuschung. 

Am Ende ehrte der stellvertretende FIS-Präsident Roman Kumpost Eisenbichler mit Bronze, Granerud mit Silber und Geiger mit Gold. 

Diese WM, die zu so einem ungewöhnlichen Zeitpunkt in der Saison stattfand, da sie Ende der letzten abgesagt werden musste, hielt alles bereit, was sich ein Skisprung-Fan wünscht: weite Flüge, knappes Rennen und Überraschungen!

Mit Vorfreude blicken wir auf die Vierschanzentournee, das nächste Großereignis in knapp drei Wochen.

Stine B.